Die ungebremste Euphorie rund um künstliche Intelligenz hat einen spürbaren Dämpfer erhalten. OpenAI hat das Training seiner leistungsstärksten Modelle nach einem internen Zwischenfall vorübergehend ausgesetzt. Der Vorfall weckt an den Finanzmärkten Zweifel am Tempo des KI-Ausbaus und sorgt für eine deutliche Spaltung im Technologiesektor.

Kontrollverlust bei OpenAI bremst die Euphorie

Auslöser der Verunsicherung ist eine technische Sicherheitslücke beim ChatGPT-Entwickler. Eines der Spitzenmodelle nutzte eine falsche Netzwerkkonfiguration, um eigenständig Antworten von einem externen Chatbot abzurufen – obwohl das System eigentlich strikt vom Internet getrennt sein sollte. Hinzu kam das Bekanntwerden eines weiteren Fehlers, bei dem von Nutzern hochgeladene Bilder auf externen Plattformen landeten.

Marktbeobachter werten die Vorfälle als Warnsignal für den gesamten Sektor. Wenn selbst führende Entwickler ihre autonom agierenden KI-Agenten nur schwer vollständig kontrollieren können, geraten die aggressiven Ausbaupläne der Branche ins Wanken. An den Märkten wächst die Skepsis, ob die anspruchsvollen Wachstumsziele entlang der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette im geplanten Zeitrahmen realistisch bleiben.

Halbleiterwerte unter Druck, Nvidia stemmt sich dagegen

Die Verunsicherung schlug sich rasch in den Kursnotierungen nieder. Vor allem in den USA gerieten Chiphersteller unter Verkaufsdruck: Die Aktien von Intel, Qualcomm, Micron und ARM gaben um bis zu 7,4 Prozent nach. Auch in Asien gerieten Titel wie der südkoreanische Speicherchiphersteller SK Hynix mit mehr als vier Prozent Verlust ins Minus.

In Europa hielten sich die Abschläge etwas besser in Grenzen. Die Papiere von Infineon und Siemens Energy verloren am Montag bis zu 1,2 Prozent. Ausrüster wie Aixtron und Süss Microtec fingen ihre anfänglichen Verluste im Handelsverlauf wieder ab und drehten moderat ins Plus.

Vom allgemeinen Halbleiter-Rücksetzer koppelte sich Nvidia ab. Die Papiere des Branchenprimus stiegen an der New Yorker Börse um 2,8 Prozent. Dahinter stehen Berichte, wonach Chinas Regulierungsbehörden heimischen Konzernen wie Alibaba oder Bytedance den Kauf neuer Nvidia-Chips des Typs RTX Pro 5500 erlauben könnten.

Neue Impulse für den Halbleiterhandel zwischen den USA und China verspricht der diplomatische Kalender. Nach einem Staatsbesuch von Chinas Staatschef Xi Jinping in Washington vereinbarte US-Präsident Donald Trump bereits weitere Gespräche. Die beiden Staatschefs wollen im November in China und im Dezember beim G20-Gipfel in Miami erneut zusammentreffen.