Oracle hat einen milliardenschweren Chip-Leasingvertrag mit dem chinesischen Technologiekonzern Tencent gekündigt. Auslöser war offenbar Druck aus Washington. Für die Aktie kommt die Nachricht zu einem heiklen Zeitpunkt: Erst zu Wochenbeginn hat der Konzern frisches Kapital eingesammelt.
Politik greift in KI-Geschäft ein
Der im Oktober unterzeichnete Vertrag hatte ein geschätztes Volumen von 7 Milliarden Dollar. Tencent sollte fünf Jahre lang Zugang zu rund 100.000 fortgeschrittenen KI-Chips in Oracle-Rechenzentren in Südostasien erhalten. In China sind diese Chips wegen Beschränkungen nicht verfügbar. Für Tencent wäre es der größte Leasingvertrag im Ausland gewesen.
US-Beamte hatten Oracle auf Bedenken angesprochen. Auch Tencent stand unter Druck: Hochrangige Vertreter der Provinz Guangdong forderten das Unternehmen auf, heimische Chips zu nutzen.
Andere Anbieter wie ByteDance und Alibaba halten ihre Leasingverträge mit US-Firmen weiterhin aufrecht. Oracle selbst beliefert ByteDance und betreibt mehrere Rechenzentren in Malaysia. Es sieht daher eher nach einem Einzelfall aus als nach einem Rückzug aus der Region.
Die Aktie gab vorbörslich nach. Zuletzt notierte sie bei etwa 123 Dollar, nach einem Schlusskurs von 126,19 Dollar am Dienstag.
Wirtschaftlich verkraftbar, finanziell heikel
Rechnerisch entfallen auf den Vertrag rund 1,4 Milliarden Dollar pro Jahr. Beim Investor Day in der Vorwoche stellte Oracle für das Geschäftsjahr 2027 mindestens 90 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht. Der Ausfall wiegt damit operativ eher leicht.
Schwerer wiegt die Finanzierung. Am Montag legte Oracle die Konditionen einer Kapitalaufnahme aus Aktien und Anleihen über insgesamt 20 Milliarden Dollar fest. Die neuen Aktien gingen zu 116 Dollar über den Tisch, gut 11 Prozent unter dem Freitagsschluss.
Die Verbindlichkeiten summierten sich zuletzt auf rund 125 Milliarden Dollar, der Jahresumsatz lag bei gut 67 Milliarden. Marktbeobachter sehen Oracle deshalb als Brennpunkt der Sorgen um die Kosten der KI-Infrastruktur. Anders als Microsoft oder Amazon fehlt die breite Umsatzbasis, zudem hängt das Geschäft stark vom verlustreichen OpenAI ab. Jede Meldung über wegfallende Aufträge wird daher auch als Frage der Finanzierbarkeit gelesen.
Ehrgeizige Ziele, überwiegend positive Analysten
Bis zum Geschäftsjahr 2030 will Oracle mehr als 225 Milliarden Dollar umsetzen und über 21 Dollar je Aktie verdienen. Positiven Free Cashflow erwartet das Management ab der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2028. Ein Branchenanalyst nannte die Prognosen ehrgeizig und keineswegs garantiert.
Die Analysten bleiben dennoch mehrheitlich optimistisch: 28 von 33 empfehlen den Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 242,50 Dollar. Ob Oracle diese Erwartungen erfüllt, hängt von zwei Faktoren ab: einer gesicherten Finanzierung und Lieferbeziehungen, die nicht durch weitere politische Eingriffe gestört werden.
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