Oracle steht kurz vor dem wichtigsten Termin des Quartals – und muss sich zugleich mit neuem regulatorischem Gegenwind auseinandersetzen. Die Aktie legte am Donnerstag um 4,0 Prozent auf 130,90 Euro zu, nachdem sie am Mittwoch noch bei 125,82 Euro geschlossen hatte. Das ändert wenig am Gesamtbild: Seit Jahresanfang steht für das Papier ein Minus von 21 Prozent.
EU-Kommission wirft ein Auge auf Lizenzpraktiken
Reuters berichtete, dass die Lizenzierungspraktiken von Oracle ins Visier der EU-Wettbewerbsbehörden geraten sind. Die Europäische Kommission stellte klar, dass es sich bislang um keine formelle Untersuchung handelt. Dennoch wertete der Markt die Meldung als zusätzliche rechtliche Unsicherheit für den Softwarekonzern.
Cloud-Lizenzmodelle sind seit Jahren ein Reibungspunkt zwischen Oracle und europäischen Wettbewerbshütern – dass nun konkret geprüft wird, ob genauere Schritte folgen, dürfte Anleger in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.
Parallel dazu kursierten Medienberichte über eine mögliche neue Entlassungsrunde bei Oracle. Das Unternehmen selbst hat weder neue Stellenkürzungen bestätigt noch dementiert und wollte sich dazu nicht äußern. Für Anleger bleibt damit unklar, in welchem Umfang Oracle seine Kostenstruktur an das margenintensive Wachstum im KI-Infrastrukturgeschäft anpassen will.
Datenschutz-Vergleich wird konkret
Zu den regulatorischen Baustellen zählt auch ein älterer Rechtsstreit: Die im Zusammenhang mit Oracle-Advertising-Technologien vereinbarte Vergleichszahlung über 115 Millionen Dollar soll laut Medienberichten ab dem 21. September 2026 ausgezahlt werden. Der Fall ist damit zwar rechtlich beigelegt, verursacht aber weiterhin konkrete Mittelabflüsse – zu einem Zeitpunkt, an dem Investoren ohnehin genau auf die Kapitaldisziplin des Konzerns schauen.
Genau das war zuletzt der Knackpunkt für Analysten: TD Cowen senkte das Kursziel für Oracle Anfang September von 300 auf 240 Dollar, beließ die Einstufung aber bei Buy. Als Begründung nannte das Haus Sorgen um den Ausbau der KI-Rechenzentren, die hohen Investitionsausgaben, die Verschuldung sowie die Frage, wie schnell sich der Auftragsbestand tatsächlich in freien Cashflow verwandelt.
Zahlen-Termin rückt näher
Oracle hat den Berichtstermin für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 offiziell bestätigt: Die Zahlen werden am 10. September 2026 nach Börsenschluss veröffentlicht, eine Telefonkonferenz mit Webcast ist für 16 Uhr Central Time angesetzt. Für die Aktie dürfte dieser Termin zum eigentlichen Prüfstein werden – schließlich müssen sich die aktuellen Sorgen um Kapitalintensität und regulatorischen Druck an harten Geschäftszahlen messen lassen.
Mit einem Abstand von 7,9 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt von 121,27 Euro zeigt der jüngste Kursanstieg zumindest kurzfristig eine gewisse Stabilisierung. Ob diese über den Berichtstermin hinaus trägt, hängt maßgeblich davon ab, wie Oracle die offenen Fragen zu Kosten, Rechtsrisiken und Cashflow-Entwicklung beantwortet.
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