Vor den anstehenden Geschäftszahlen für das dritte Quartal positionieren sich die Analystenhäuser beim französischen Telekommunikationskonzern Orange neu.
Die US-Bank JPMorgan setzte das Papier am gestrigen Mittwoch auf ihre Beobachtungsliste für positive Impulse und hob das Kursziel leicht von 22,50 auf 22,60 Euro an, verbunden mit einer Bestätigung der Einstufung „Overweight“. Am Markt notiert der Wert heute bei 14,23 Euro und verzeichnet damit ein leichtes Minus von 0,4 Prozent.
Divergierende Einschätzungen vor den Q3-Daten
JPMorgan begründet den optimistischen Blick vor allem mit der Erwartung, dass der Konzern bei den für den 27. Oktober angekündigten Drittquartalszahlen die Prognosen übertreffen und seine Jahresziele anheben könnte.
Die Analysten der Bank kalkulieren für das abgelaufene Quartal mit einem Konzernumsatz von 12,12 Milliarden Euro, was einem organischen Plus von 3 Prozent entsprechen würde, sowie einem operativen Ergebnis (EBITDAaL) von 4,12 Milliarden Euro.
Für das Gesamtjahr 2026 traut JPMorgan Orange ein EBITDAaL-Wachstum von 4,6 Prozent zu, während die eigene Zielsetzung des Managements bei mehr als 4 Prozent liegt.
Nicht alle Marktbeobachter teilen diesen ausgeprägten Optimismus. Die britische Investmentbank Barclays bestätigte gestern zwar ihre Einstufung mit „Equal Weight“, reduzierte ihr Kursziel für Orange jedoch von 16,50 auf 15,50 Euro.
Konsolidierungsfantasie und Vorstoß in souveräne Cloud
Neben dem operativen Tagesgeschäft richtet sich das Interesse der Investoren auf potenzielle Marktbewegungen in Frankreich. JPMorgan verweist auf eine mögliche gemeinsame Offerte des Konsortiums aus Bouygues Telecom, Iliad und Orange für den Konkurrenten SFR, die nach dem Abschluss laufender Sozialverhandlungen Gestalt annehmen könnte. Die Unternehmensführung von Orange bekräftigte zuletzt ihr Vertrauen in eine solche Übernahme.
Parallel treibt das Unternehmen den Ausbau seiner margenstärkeren Geschäftskundendienste voran. Die Unternehmenstochter Orange Business erhielt am gestrigen Mittwoch von der französischen Cybersicherheitsbehörde ANSSI die SecNumCloud-Qualifikation für das Angebot Cloud Avenue SecNum Dynamic.
Diese Sicherheitszertifizierung nach dem Standard 3.2 umfasst dedizierte, physisch isolierte Infrastrukturen und stellt Rechenzentren in Val-de-Reuil sowie Chartres bereit. Die Plattform integriert zudem Grafikprozessor-Server, die speziell für das Training und den Betrieb von Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz ausgelegt sind.
Strategische Leitlinien für Netze und Ausland
Auch in Bezug auf das eigene Infrastrukturportfolio hat der Konzern Pflöcke eingeschlagen. Eine Ausgliederung der europäischen Funkturmsparte Totem steht nach Angaben von Totem-Chef Emmanuel Rochas nicht zur Debatte; der Verbleib der 27.000 Standorte in Frankreich und Spanien im Konzernverbund sei ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie.
Außerhalb Europas prüft das Management zudem weiteres Wachstum: Medienberichten zufolge verhandelt Orange über den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an Telecel Ghana, um im englischsprachigen westafrikanischen Raum Fuß zu fassen. Nach dem gestrigen Schlusskurs von 14,29 Euro richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger nun auf die Veröffentlichung der Quartalsbilanz Ende Oktober.
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