Der dänische Offshore-Wind-Riese Orsted vollzieht einen radikalen Strategiewechsel: Nach einer gigantischen Kapitalerhöhung von umgerechnet 9,35 Milliarden Dollar kündigt das Unternehmen den Abbau von 2.000 Arbeitsplätzen an – ein Viertel der Belegschaft. Die Aktie reagierte mit 0,56% Tagesplus auf 286,60 DKK, doch die Investoren bleiben vorsichtig.

Kapitalspritze mit Rekordbeteiligung

Die Bezugsrechtsemission war ein Volltreffer: Mit einer Zeichnungsquote von 99,3% sammelte Orsted 59,56 Milliarden DKK ein. Ausgegeben wurden 894,3 Millionen neue Aktien zu je 66,60 DKK im Verhältnis 15:7. Der dänische Staat, der 50,1% hält, beteiligte sich ebenso wie andere Investoren am Bezugsrecht.

Die neuen Papiere starteten am 10. Oktober den Handel an der Nasdaq Kopenhagen. Das Grundkapital wuchs um 9 Milliarden DKK auf 13,2 Milliarden DKK – verteilt auf 1,32 Milliarden Aktien à 10 DKK Nennwert. Diese massive Finanzspritze soll dem Konzern helfen, die Turbulenzen im US-Offshore-Wind-Markt zu überstehen.

Radikaler Personalabbau bis 2027

Parallel zur Kapitalerhöhung kündigte Orsted eine drastische Verschlankung an: 2.000 Stellen fallen weg, davon bereits 500 im vierten Quartal 2025. Allein 235 Positionen betreffen den Heimatstandort Dänemark.

Was steckt dahinter? Das Management reagiert auf die schwierigen Marktbedingungen, insbesondere die Rückschläge bei US-Offshore-Projekten unter der aktuellen Energiepolitik. Der Konzern schwenkt strategisch auf europäische Märkte um, wo das regulatorische Umfeld stabiler bleibt.

Europafokus nach US-Rückschlägen

Der Kurswechsel kommt nicht überraschend: Orsted kämpft mit erheblichen Herausforderungen. Die Aktie verlor in den letzten zwölf Monaten 25,25%, über fünf Jahre sogar 57,95%. Besonders der US-Markt bereitete Kopfzerbrechen – Politikunsicherheiten bremsten Erneuerbare-Energie-Projekte aus.

Nun konzentriert sich der Windriese auf seine Stärken: Mit 10,2 GW installierter Offshore-Kapazität und weiteren 8,1 GW im Bau führt Orsted den europäischen Markt an. Die Kapitalerhöhung sichert die Fertigstellung von sechs Windparks im Bau.

Analysten sehen das durchaus positiv: Bei einem Forward-KGV von 11,34 und einem durchschnittlichen Kursziel von 361,71 DKK könnte noch Potenzial vorhanden sein – trotz der aktuellen Herausforderungen.