Nach der Hauptversammlung vom 9. April und dem Ablauf einer entscheidenden US-Rechtsfrist hat Ørsted innerhalb von 48 Stunden gleich auf mehreren Fronten Klarheit geschaffen. Das Bild, das sich dabei ergibt, ist deutlich positiver als noch vor wenigen Monaten.

Keine Dividende für 2025 — aber Aussicht auf 2026

Die Aktionäre in Gentofte stimmten dem Jahresabschluss 2025 zu, der ein operatives Ergebnis von 25,1 Milliarden DKK (rund 3,4 Milliarden Euro) auswies. Die Dividende für das Geschäftsjahr 2025 fällt aus — das war erwartet worden. Verwaltungsratsvorsitzende Lene Skole stellte jedoch ausdrücklich in Aussicht, dass für das Geschäftsjahr 2026 wieder eine Ausschüttung geplant sei. Das Unternehmen befindet sich weiterhin in einer Phase der strategischen Neuausrichtung und Kapitalkonsolidierung nach turbulenten Jahren im Offshore-Wind-Sektor.

US-Rechtshürde fällt endgültig

Parallel dazu lief am 10. April eine entscheidende Frist ab: Das US-Innenministerium verzichtete darauf, gegen Gerichtsentscheidungen Berufung einzulegen, die fünf großen Offshore-Windprojekte an der Ostküste vorläufigen Schutz gewährt hatten. Damit sind die Rechtsstreitigkeiten, die Baustopps für Projekte wie das 924-MW-Projekt Sunrise Wind und das 704-MW-Projekt Revolution Wind drohten, endgültig vom Tisch.

Revolution Wind ist bereits zu rund 93 Prozent fertiggestellt und liefert erste Strommengen ins Netz von New England. Ørsted kann die Bauarbeiten nun planmäßig fortsetzen.

Neue Gesichter im Aufsichtsrat

Die Hauptversammlung brachte auch personelle Veränderungen. Drei neue Mitglieder wurden in den Verwaltungsrat gewählt: Karen Dyrskjøt Boesen (CFO von DFDS), Karl Johnny Hersvik (CEO von Aker BP) und Samuel Leupold, ehemaliger CEO Wind Power bei Ørsted. Lene Skole und Andrew Brown wurden als Vorsitzende bzw. stellvertretende Vorsitzende bestätigt.

Rückenwind durch Energiepolitik

Ørsted betreibt aktuell 10,2 GW Offshore-Windkapazität und hat weitere 8,1 GW im Bau. CEO Mads Nipper verwies auf die anhaltende Energiekrise und geopolitische Spannungen, die Europas Drang nach Energieunabhängigkeit beschleunigen — ein struktureller Rückenwind für den Ausbau erneuerbarer Energien. An der Nasdaq Copenhagen schloss die Aktie am 10. April bei 164,55 DKK, ein Plus von 1,39 Prozent. Mit dem juristischen Befreiungsschlag in den USA und der klaren Dividendenankündigung für 2026 hat Ørsted zwei wesentliche Unsicherheitsfaktoren aus dem Weg geräumt.