Goldman Sachs und DNB Carnegie haben heute ihre Kursziele für Ørsted angehoben. Beide Häuser bleiben jedoch bei neutralen Anlageurteilen. Damit fällt die Neubewertung verhalten aus: Für Ørsted sprechen die jüngsten Inbetriebnahmen großer Windparks, während höhere langfristige US-Zinsen den Wert amerikanischer Projekte belasten.
Analysten heben Zielmarken an
Goldman Sachs erhöhte das Kursziel von 155 auf 160 dänische Kronen und bestätigte die Einstufung „Neutral“. DNB Carnegie setzte die Zielmarke auf 150 dänische Kronen und blieb bei „Halten“.
Die Analysten erkennen mit den höheren Zielmarken mehr Bewertungsspielraum an. Ihre unveränderten Einstufungen verbinden sie zugleich mit Zurückhaltung gegenüber der Aktie. Für Anleger rücken damit zwei Entwicklungen in den Mittelpunkt: der Ausbau des operativen Geschäfts und die Belastungen aus den US-Projekten.
Ørsted liefert für beide Seiten konkrete Anhaltspunkte. Fertiggestellte Windparks stärken die operative Basis. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Wertminderungen, wie empfindlich die Projektbewertungen auf das langfristige Zinsniveau reagieren.
Neue Windparks stärken das Geschäft
Revolution Wind und Borkum Riffgrund 3 erreichten im Oktober den kommerziellen Betrieb. Der amerikanische Windpark verfügt über 704 Megawatt Leistung, der deutsche über 913 Megawatt. Damit hat Ørsted zwei große Bauvorhaben in die Betriebsphase überführt.
Gerade Revolution Wind steht für Fortschritte unter schwierigen Bedingungen. Die US-Regierung hatte den Bau im vergangenen Jahr zweimal stoppen lassen. Gerichte ermöglichten anschließend die Fortsetzung. Im Oktober beantragte das US-Innenministerium eine Neubewertung der Genehmigung. Der erreichte Betriebsstart steht damit weiterhin neben einem regulatorischen Risiko.
Auch die gestern veröffentlichten Quartalszahlen untermauern die operative Entwicklung. Laut Reuters erreichte das EBITDA ohne neue Partnerschaften und Stornierungsgebühren im dritten Quartal 2026 rund 5,26 Milliarden dänische Kronen. Der Analystenkonsens hatte bei 4,42 Milliarden dänischen Kronen gelegen.
Für die Bewertung zählt allerdings ebenso, welcher Teil dieser operativen Stärke nach Belastungen im Ergebnis ankommt. Genau hier bleibt das amerikanische Geschäft ein entscheidender Faktor.
Zinsen und Zahlungsplan bleiben entscheidend
Höhere langfristige US-Zinsen führten laut Reuters zu einer nicht zahlungswirksamen Wertminderung von 3,44 Milliarden dänischen Kronen bei amerikanischen Projekten. Unter dem Strich verzeichnete Ørsted einen Quartalsverlust von 728 Millionen dänischen Kronen.
Bei den Investitionen verschieben sich unterdessen Zahlungen. Die niedrigere Ausgabenplanung entlastet den Zahlungsbedarf im laufenden Jahr, während Ørsted die erwarteten Gesamtprojektkosten unverändert lässt.
Die Bruttoinvestitionen sollen im laufenden Jahr 45–50 Milliarden dänische Kronen betragen. Zugleich erwartet Ørsted weiterhin ein EBITDA ohne neue Partnerschaften und Stornierungsgebühren von mehr als 28 Milliarden dänischen Kronen.
Die höheren Analystenziele passen damit zu einer verbesserten operativen Basis bei fortbestehenden Bewertungsrisiken. Für eine günstigere Einordnung spricht der Übergang großer Projekte in den Betrieb, sofern zusätzliche Zins- und Genehmigungsbelastungen diese Fortschritte nicht überlagern.
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