Ein starker US-Arbeitsmarktbericht hat die Stimmung in der Tech-Welt gekippt. Palantir verlor allein am Freitag 4,35 Prozent und schloss bei 135,53 Dollar — auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 13,42 Prozent. Am Montag setzt sich der Druck fort: Asiatische Leitindizes wie der Nikkei und der KOSPI fallen um bis zu 8 Prozent.
Zinsangst trifft Hochbewertung
Der Auslöser ist eindeutig. Die US-Wirtschaft schuf im Mai 172.000 neue Stellen — Ökonomen hatten mit rund 85.000 gerechnet. Das verschiebt die Erwartungen an die Fed: Statt einer Zinssenkung diskutiert der Markt nun eine mögliche Erhöhung. US-Staatsanleiherenditen zogen daraufhin spürbar an.
Für Palantir ist das besonders heikel. Das Unternehmen handelt aktuell zum rund 152-fachen Jahresgewinn. Oppenheimer-Analyst Param Singh formuliert es direkt: Die hohe Bewertung „bleibt ein Problem“, wenn Investoren ihre Bereitschaft überdenken, für künftiges Wachstum hohe Prämien zu zahlen.
Kapital wandert ab
Der Ausverkauf trifft nicht nur Palantir. Der Nasdaq Composite fiel am Freitag um 4,18 Prozent — einer der stärksten Tagesverluste seit 2025. Marktbeobachter sehen dahinter auch eine Positionierungsbewegung: Die erwarteten Börsengänge von SpaceX und Anthropic dürften erhebliches Kapital binden.
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Hinzu kommt ein enttäuschender Ausblick von Broadcom. Das hat das Vertrauen in das Tempo der KI-Monetarisierung erschüttert. Unternehmen mit hohen Wachstumserwartungen wie Palantir geraten in solchen Phasen besonders unter Druck.
Politischer Gegenwind aus London
Neben dem Makroumfeld wächst der Druck aus dem Vereinigten Königreich. Abgeordnete der Liberal Democrats und der Grünen fordern die britische Regierung auf, einen Vertrag zwischen Palantir und der Finanzaufsicht FCA zu stoppen. Der Vertrag sieht vor, dass Palantir interne Daten der FCA zur Bekämpfung von Finanzbetrug analysiert.
Die Kritiker verweisen auf Datenschutzbedenken und Palantirs Verbindungen zu ausländischen Militär- und Einwanderungsbehörden. Die FCA verteidigt die Zusammenarbeit: Palantir agiere ausschließlich als Datenverarbeiter. Politisch bleibt das Thema ein Risiko.
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Starke Zahlen, geteilte Meinungen
Fundamental läuft das Geschäft. Im letzten Quartal wuchs der Umsatz um 85 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar. Das US-Kommerzgeschäft legte sogar um 104 Prozent zu. Für das Gesamtjahr 2026 peilt das Management rund 7,66 Milliarden Dollar Umsatz an — ein Plus von 71 Prozent.
Analysten sind gespalten:
- Wedbush (Dan Ives): „Outperform“, Kursziel 230 Dollar — bearishe Argumente nennt Ives „fiktional“
- Citigroup: Kaufempfehlung, Kursziel 225 Dollar
- Oppenheimer: Zurückhaltend, hohe Bewertung als zentrales Hindernis
Am Mittwoch, den 10. Juni, veröffentlicht das US-Statistikamt die Inflationsdaten für Mai. Die CPI-Zahlen werden zeigen, ob der Zinsdruck anhält — und damit, wie viel Spielraum hochbewertete Wachstumstitel wie Palantir noch haben.
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