Palantir zieht vor Gericht. Das US-Dataunternehmen hat einen vorgerichtlichen Brief an das Büro des Londoner Bürgermeisters geschickt — Auftakt zu einem Rechtsstreit über einen geplatzten Polizeivertrag im Wert von 50 Millionen Pfund.
Blockierter Polizeivertrag als Auslöser
Die Metropolitan Police sollte Palantirs Software zur automatisierten Analyse von Ermittlungsdaten erhalten. Bürgermeister Sadiq Khan stoppte den Deal Ende Mai 2026. Sein Büro begründete den Schritt mit einem fehlerhaften Vergabeverfahren: Palantir sei als einziger Anbieter geprüft worden, was faire Konkurrenz ausschließe.
Louis Mosley, Palantirs Chef in Großbritannien, wies das zurück. Er warf dem Bürgermeisterbüro vor, politische Interessen über die öffentliche Sicherheit zu stellen.
NHS-Vertrag unter Beobachtung
Der Londoner Streit ist kein Einzelfall. Technologieministerin Liz Kendall prüft derzeit einen NHS-Vertrag über 330 Millionen Pfund. Berichten zufolge erwägen Minister die Aktivierung einer Ausstiegsklausel, die Anfang 2027 greift.
Ein parlamentarischer Ausschuss hatte Palantirs Stellung im britischen Öffentlichkeitssektor zuvor als „unakzeptable Schwachstelle“ bezeichnet. Vizepremier David Lammy sprach sich für mehr Anbietervielfalt aus. Die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter für kritische Dateninfrastruktur sei ein strategisches Risiko.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Operativ läuft es für Palantir gut. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,63 Milliarden Dollar — ein Plus von fast 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,33 Dollar und übertraf damit die Analystenerwartungen.
An der Börse spiegelt sich das kaum wider. Die Aktie notiert rund 17 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt und hat seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent verloren. Vom Allzeithoch bei 179,98 Euro im November 2025 ist der Kurs noch 37 Prozent entfernt.
Weniger Abhängigkeit von Staatsaufträgen
Palantir reagiert auf den Gegenwind mit einer breiteren Kundenbasis. CEO Alex Karp positioniert das Unternehmen als Kostenkontrolleur für KI-Ausgaben. Seine These: Viele Konzerne geben zu viel für große Sprachmodelle aus, ohne klaren Nutzen zu sehen.
Neue Partnerschaften untermauern diese Strategie. Mit der Anwaltskanzlei Kirkland & Ellis entwickelt Palantir eine KI-Plattform für Private-Equity-Fundraising. Die hauseigene KI-Plattform AIP ist inzwischen mit Google Clouds BigQuery und den Gemini-Modellen verknüpft. Weitere Deals mit GNP Seguros und McCarthy Building zeigen, dass Palantir den kommerziellen Sektor gezielt ausbaut — unabhängig davon, wie die britischen Behörden entscheiden.
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