Während Palantir am 3. August seine Quartalszahlen vorlegt, bröckelt in Europa ausgerechnet die politische Rückendeckung für den Datenanalyse-Spezialisten. Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu will die Zusammenarbeit beenden, die Niederlande planen einen schrittweisen Ausstieg, und in Großbritannien fordert eine Parlamentarierin das Ende des NHS-Vertrags. Für ein Unternehmen, das mit rund 293 Milliarden Dollar bewertet wird, ist das mehr als nur Symbolpolitik.

Frankreich als Testfall

Als Ersatz hat Lecornu das französische Unternehmen ChapsVision benannt, gegründet 2019 von Olivier Dellenbach. Bislang erzielt ChapsVision rund 200 Millionen Euro Jahresumsatz und peilt bis 2030 die Milliardenmarke an – vor allem über Zukäufe. 29 Übernahmen hat das Unternehmen bereits gestemmt und zu einer Plattform namens Argonos gebündelt.

Allein der mögliche Vertrag mit dem französischen Inlandsgeheimdienst DGSI könnte laut Schätzungen mindestens 100 Millionen Dollar wert sein. Palantir selbst hatte diesen Vertrag erst im Dezember um drei Jahre verlängert, er läuft also weiter. Frankreich ist nach Angaben des Unternehmens ohnehin der drittgrößte Markt weltweit, zu den Kunden zählen auch Airbus und Stellantis.

Der britische Ex-General Richard Barrons warnt vor den Konsequenzen eines Ausschlusses: Man verzichte damit auf weltführende Fähigkeiten. Selbst Befürworter des Kurswechsels räumen ein, dass sich Palantir nicht kurzfristig ersetzen lässt. Der Hintergrund der Debatte reicht weiter: Laut einer Bloomberg-Intelligence-Schätzung müsste Europa in diesem Jahrzehnt rund drei Billionen Dollar in digitale Infrastruktur investieren, um von US- und Asien-Konzernen unabhängiger zu werden.

Der Blick richtet sich auf den 3. August

Die politische Debatte in Europa trifft auf eine Aktie, die zuletzt unter Druck stand – seit Jahresbeginn hat Palantir einen Teil seiner Gewinne wieder abgegeben. Am 3. August legt das Unternehmen Quartalszahlen vor, ein Termin, den Marktteilnehmer als richtungsweisend einstufen. Die Erwartungen sind hoch, während sich der Kursverlauf zuletzt skeptisch zeigte.

Kurzfristig dürfte für die Aktie weniger die politische Debatte in Europa zählen als die Zahlen vom 3. August. Sie werden zeigen, ob das Wachstumstempo im US-Geschäft die Unsicherheiten auf der anderen Seite des Atlantiks ausgleichen kann.