Alex Karp macht Stimmung gegen die eigene Branche — und das mit Absicht. Der Palantir-Chef wirft führenden KI-Laboren wie OpenAI und Anthropic vor, an den echten Bedürfnissen ihrer Kunden vorbeizuarbeiten. Unternehmenskunden seien schlicht frustriert. Der Kurs der Aktie spiegelt derweil eine andere Realität wider: Seit Jahresbeginn hat Palantir rund 21 Prozent verloren.
„Tokenmaxxing“ als Feindbild
Karp prägte in einem Interview diese Woche den Begriff „Tokenmaxxing“. Damit meint er die Strategie der großen Sprachmodell-Anbieter, möglichst viele Token zu verarbeiten — statt konkrete Geschäftsprobleme zu lösen. Unternehmenskunden würden regelrecht schreien vor Frustration, so Karp.
Sein Argument: Große Sprachmodelle sind beeindruckend, aber probabilistisch. Für geschäftskritische Anwendungen, wo Genauigkeit zählt, reichen sie oft nicht aus. Palantir positioniert seine KI-Plattform AIP als das fehlende Bindeglied — das Framework, das Modelle für große Organisationen erst nutzbar macht. Karp sieht den wahren Wert von KI nicht in den Modellen selbst, sondern in deren Implementierung.
Bewertung trifft Zinsdruck
Der Kursrückgang hat strukturelle Gründe. US-Inflationsdaten für Mai zeigten einen Anstieg auf 4,2 Prozent — den höchsten Stand seit drei Jahren. Das schürt Sorgen vor länger anhaltend hohen Zinsen. Für Unternehmen mit hohen Bewertungen trifft das besonders hart.
Palantir gehört genau in diese Kategorie. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt noch immer über 140. Dabei liefert das Unternehmen operativ: Im ersten Quartal wuchs der Umsatz um 85 Prozent auf 1,63 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 peilt Palantir Erlöse zwischen 7,65 und 7,66 Milliarden Dollar an. Hinzu kommt eine laufende Überprüfung eines Vertrags mit dem britischen Gesundheitsdienst NHS im Volumen von 441 Millionen Dollar.
Die Aktie notiert aktuell bei 112,82 Euro — deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 137,86 Euro. Der RSI liegt bei 41,6 und signalisiert damit keine überverkaufte Zone, aber auch keine Stärke.
Nationalisierung als Warnung
Karp legte in seiner Kritik noch nach. Er prognostizierte, dass führende KI-Konzerne innerhalb von zwei Jahren teilweise verstaatlicht werden könnten. Aktuelle Vorschläge für eine 50-prozentige Staatsbeteiligung würden rückblickend als moderat gelten — so Karp.
Trotz der Kursschwäche halten mehrere Analysten an ihrer positiven Einschätzung fest. Baird bewertet die Aktie mit „Outperform“ und einem Kursziel von 200 Dollar, gestützt auf Palantirs modellunabhängigen Ansatz und wachsenden freien Cashflow. Wedbush setzt das Ziel sogar auf 230 Dollar — nach jüngsten Partnerschaftsankündigungen mit Google Cloud. Beide Kursziele liegen damit weit über dem aktuellen Niveau. Ob der Markt dieser Einschätzung folgt, hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Zinsdebatte in Washington in den kommenden Wochen entwickelt.
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