Ein einziger Satz von Elon Musk reichte, um die Chip-Branche durcheinanderzuwirbeln. Mit seiner Ankündigung, SpaceX werde seine gesamte KI-Infrastruktur künftig exklusiv auf Nvidia-Hardware aufbauen, teilte er die Woche in klare Gewinner und Verlierer. Während Palantir mit einem historischen Kurssprung für Schlagzeilen sorgte und Micron von der Speicherchip-Knappheit profitierte, musste AMD trotz Rekordzahlen einen schmerzhaften Dämpfer hinnehmen.

Sektorüberblick: Extreme in beide Richtungen

Diese Woche zeigte, wie widersprüchlich der KI-Handel derzeit verläuft. Nvidia legte nach dem Exklusivitäts-Versprechen eines der wichtigsten Kunden der Branche zu, während AMD trotz eines nach eigenen Angaben rekordstarken Quartals unter Druck geriet – weil genau diese Kundenbeziehung sich zugunsten des Rivalen verschob.

Palantir setzte nach einem kräftigen Gewinnsprung seinen historischen Lauf fort. Micron profitierte weiter von der KI-getriebenen Speicherverknappung. SoftBank übertraf die Gewinnerwartungen dank Beteiligungsgewinnen bei Intel und ByteDance, während Fragen zur Finanzierung der OpenAI-Verpflichtungen im Raum stehen.

Palantir: Rekordwachstum trifft auf Gewinnmitnahmen

Palantir-Aktien schossen nach oben – der stärkste Kurssprung seit über zwei Jahren –, nachdem das Unternehmen seine Jahresprognose für Umsatz und Gewinn angehoben hatte. Die kommerzielle Nachfrage nach den Datenanalyse-Werkzeugen bezeichnete das Management als außergewöhnlich stark. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden Dollar, getragen von kommerzieller und behördlicher Nachfrage.

Nach dem ersten Ausschlag setzte Gewinnmitnahme ein. Die Aktie notiert aktuell bei 135,58 Euro, auf Wochensicht bleibt dennoch ein deutliches Plus von 27,91 Prozent stehen. Der Höhenflug bleibt umstritten.

Michael Burry, bekannt für seine Wette gegen den US-Häusermarkt vor der Finanzkrise, hält seit Ende 2025 Put-Optionen gegen Palantir und sieht die Aktie bei weniger als 50 Dollar fair bewertet. Analysten sehen das mehrheitlich anders und trauen dem Papier weiteres Potenzial zu.

Nvidia: Musks Bekenntnis beflügelt einen fünften Gewinntag in Folge

Nvidia war die Geschichte der Woche. Bei der ersten öffentlichen Telefonkonferenz von SpaceX kündigte Elon Musk an, sein Raumfahrtunternehmen werde seine KI-Systeme künftig ausschließlich auf Nvidia-Hardware aufbauen. Die Vera-Rubin-Architektur sei schlicht die beste verfügbare, begründete er die Entscheidung.

Die Dimension der Zusage ist beachtlich: SpaceX rechnet bis Jahresende mit mehr als 2 Gigawatt Rechenleistung und peilt bis Ende kommenden Jahres nahezu 10 Gigawatt an. JPMorgan wertet das als Bestätigung der ambitionierten Skalierungspläne des Raumfahrtunternehmens.

Die Nvidia-Aktie notiert aktuell bei 189,98 Euro, nach einem Wochenplus von 12,20 Prozent. Analysten verweisen zugleich auf Risiken jenseits der SpaceX-Euphorie: Exportbeschränkungen für fortgeschrittene Halbleiter erschweren den Zugang zum chinesischen Markt bereits jetzt. Weitere Restriktionen könnten den Absatz limitieren und chinesische Techkonzerne gleichzeitig zu schnellerer Eigenentwicklung antreiben.

Micron Technology: Speicherknappheit treibt die Rally weiter

Micron hat seinen bemerkenswerten Aufstieg fortgesetzt, während ein KI-getriebener Speicher-Engpass die Preise in der gesamten Branche neu ordnet. Nach einer schwachen Phase im Anschluss an die Zahlen Ende Juni hat sich die Aktie kräftig erholt, ehe heute wieder Bewegung in die andere Richtung kam: Aktuell kostet das Papier 748,20 Euro, ein Rückgang von 3,83 Prozent.

Die fundamentale Geschichte bleibt dennoch überzeugend. Micron meldete Rekordergebnisse im vergangenen Quartal und sicherte sich mehrjährige, bindende KI-Speicherverträge im Volumen von rund 100 Milliarden Dollar. Die HBM-Kapazitäten gelten dadurch bis 2026 praktisch als ausverkauft, ergänzt um eine neue Partnerschaft mit Anthropic.

Die Analystenmeinung bleibt überwiegend positiv. Ein Analyst von Bank of America betonte zuletzt, an den Fundamentaldaten habe sich nichts Grundlegendes geändert – der jüngste Rücksetzer sei kein Signal für eine Trendwende.

AMD: Ein Rekordquartal, das wie eine Enttäuschung wirkte

AMD lieferte die wohl paradoxeste Reaktion der Woche. Das Unternehmen übertraf am Dienstag die Erwartungen für das zweite Quartal deutlich, die Aktie brach im nachbörslichen Handel dennoch ein. Der Umsatz stieg um 50 Prozent auf einen Rekordwert von 11,5 Milliarden Dollar, das Rechenzentrumsgeschäft verdoppelte sich nahezu.

Der Widerspruch erklärt sich durch die vorausgegangene Kursrally. AMD war bereits um mehr als 142 Prozent seit Jahresbeginn gestiegen, bevor die Zahlen veröffentlicht wurden. Die starken Ergebnisse bestätigten damit lediglich, was optimistische Anleger längst eingepreist hatten, statt einen neuen Kursimpuls zu liefern – läuft eine Aktie derart weit voraus, wird selbst ein echter Gewinnsprung zur bloßen Bestätigung.

Verschärft wurde der Druck durch die SpaceX-Nachricht zwei Tage später, die AMD direkt traf: Musk kappte damit frühere Lieferbeziehungen. Die Aktie notiert aktuell bei 414,15 Euro, ein Minus von 7,84 Prozent auf Monatssicht. CEO Lisa Su hält dennoch an ihrer Wachstumsprognose fest – das Rechenzentrumsgeschäft solle sich 2027 verdoppeln.

SoftBank Group: Intel und ByteDance kompensieren OpenAI-Sorgen

SoftBank Group legte heute die Zahlen für das erste Fiskalquartal vor und übertraf die Markterwartungen deutlich – getragen vor allem von einem Beteiligungsgewinn aus dem Intel-Investment in Höhe von 8,2 Milliarden Dollar. Der gesamte Investitionsgewinn erreichte 1,8 Billionen Yen, der Nettogewinn lag bei 347 Milliarden Yen.

Der Nettoinventarwert kletterte auf einen Rekordwert von 72,3 Billionen Yen. Neben den Beteiligungsgewinnen verwies das Unternehmen auf die starke Entwicklung bei Arm sowie die rasante Verbreitung von OpenAI-Produkten wie Codex, dessen wöchentliche Nutzerzahl von 400.000 im Dezember auf 10 Millionen im Juli gestiegen ist.

Die Aktie profitierte davon: Sie notiert aktuell bei 31,40 Euro, nach einem Wochenplus von 16,73 Prozent. Die Finanzierungssituation bleibt trotzdem ein Unsicherheitsfaktor.

Bis Ende 2026 stehen Verpflichtungen von 30 Milliarden Dollar an, während der Versuch, die OpenAI-Beteiligung als Sicherheit für einen weiteren Kredit zu nutzen, bei Geldgebern auf Zurückhaltung stößt. S&P-Analystin Makiko Yoshimura brachte die Skepsis auf den Punkt: Arm verfüge über ein solides Kreditprofil, OpenAI hingegen sei „sehr schwach“ – ein Start-up mit erheblichem Innovationsrisiko und intensivem Wettbewerb.

Sektordynamik: Ein Deal, viele Folgen

Die Woche zeigte, wie eine einzelne unternehmerische Entscheidung den gesamten Sektor ungleich durchschütteln kann. Die SpaceX-Nvidia-Exklusivität wirkte für die Chip-Branche fast wie ein Nullsummenspiel: klarer Gewinn für Nvidia, klarer Rückschlag für AMD. Die übrigen Werte folgen dagegen eigenen Logiken:

  • Micron profitiert von struktureller Speicherknappheit, weitgehend unabhängig davon, welcher GPU-Anbieter einzelne Aufträge gewinnt
  • Palantir handelt weiter nach einer softwaregetriebenen Erzählung, zeigt aber wachsende Korrelation zur allgemeinen KI-Stimmung
  • SoftBank hängt als Investor stärker an privaten Bewertungen und Finanzierungsbedingungen als an Produktzyklen

Auffällig: Palantir, Micron und Nvidia sind gemeinsam ins Visier von Burrys öffentlicher Short-Kampagne geraten – ein Hinweis darauf, dass Skeptiker den gesamten Sektor und nicht nur Einzelwerte im Blick haben.

Ausblick: Erhöhte Erwartungen als neues Risiko

Der kommende Monat bringt mehrere mögliche Auslöser für neue Kursbewegungen. Nvidias eigener Quartalsbericht am 26. August dürfte zeigen, wie belastbar die SpaceX-Beziehung tatsächlich ist und ob die Vera-Rubin-Lieferungen den ambitionierten Zeitplan halten. AMD muss beweisen, dass sein für das vierte Quartal geplantes Helios-System einen möglichen Verlust von SpaceX-Geschäft ausgleichen kann.

Bei Micron dürfte die Frage im Mittelpunkt stehen, ob die Preissetzungsmacht anhält, sobald neue Kapazitäten an den Markt kommen. SoftBank steht mit den anstehenden Finanzierungsverpflichtungen in der zweiten Jahreshälfte vor der größten Belastungsprobe.

Der gemeinsame Nenner über den gesamten Sektor: Selbst starke Ergebnisse werden zunehmend an außerordentlich hohen Erwartungen gemessen. Reaktionsmuster wie bei AMD in dieser Woche könnten damit häufiger werden, je reifer der KI-Handel wird.