Liebe Leserinnen und Leser,
320 Millionen Dollar pro Quartal – so viel ist Paramount bereit zu zahlen, nur um Warner Bros. Discovery an den Verhandlungstisch zu zwingen. Während in Hollywood ein beispielloser Bieterkampf tobt, meldet die Commerzbank trotz massivem Stellenabbau einen Rekordgewinn und Microsoft warnt eindringlich vor den Gefahren unkontrollierter KI-Nutzung in Unternehmen. Drei Geschichten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben – doch alle zeigen, wie sehr sich die Spielregeln in Wirtschaft und Technologie gerade verschieben. Derweil pendelt der DAX um die 25.000-Punkte-Marke und wartet auf frische Impulse aus den USA.
Hollywood-Poker: Paramount bietet 108 Milliarden und dreht die Eskalationsspirale
Der Kampf um Warner Bros. Discovery nimmt bizarre Züge an. Paramount, im vergangenen Jahr von der Familie des Tech-Milliardärs Larry Ellison übernommen, legt ein Angebot vor, das selbst für Hollywood-Verhältnisse außergewöhnlich ist: 108,4 Milliarden Dollar für den gesamten Konzern – inklusive aller TV-Sender wie CNN. Netflix hingegen will für 83 Milliarden Dollar nur das Studio- und Streaming-Geschäft und würde die Sender abspalten.
Doch Paramount geht noch weiter: Das Unternehmen verspricht, die 2,8 Milliarden Dollar Vertragsstrafe zu übernehmen, die Warner an Netflix zahlen müsste, falls der bereits vereinbarte Deal platzt. Hinzu kommen 1,5 Milliarden für eine Schuldenumschichtung. Und als wäre das nicht genug: Für jedes Quartal ab 2027, in dem die Übernahme noch nicht abgeschlossen ist, sollen Aktionäre 25 Cent pro Aktie erhalten – das wären 650 Millionen Dollar alle drei Monate.
Die Strategie dahinter ist klar: Paramount-Investor Gerry Cardinale will den Warner-Verwaltungsrat, der bisher das Netflix-Angebot bevorzugt, zum Einlenken zwingen. Da Warner seinen Firmensitz in Delaware hat, ist das Unternehmen gesetzlich verpflichtet, jedes potenziell bessere Angebot zu prüfen. Paramount wendet sich nun direkt an die Aktionäre – ein ungewöhnlicher Schritt, der zeigt, wie ernst es dem Unternehmen ist.
Im Hintergrund spielt auch Politik eine Rolle: US-Präsident Donald Trump hatte im Dezember gefordert, dass CNN bei einem Deal auf jeden Fall den Besitzer wechseln müsse. Der Sender berichtet häufig kritisch über Trump. Da Paramount-Eigentümer Larry Ellison als Trump-Unterstützer gilt und die Nachrichtenredaktion von CBS seit der Übernahme einen freundlicheren Ton gegenüber der Trump-Regierung angeschlagen hat, befürchten Kritiker um die redaktionelle Unabhängigkeit von CNN. Die Paramount-Aktie legte am Dienstag um 1,7 Prozent zu.
Commerzbank: Rekordgewinn trotz Stellenabbau – und großzügige Ausschüttung
Während in den USA um Medienimperien gefeilscht wird, überrascht die Commerzbank mit starken Zahlen. Trotz hoher Kosten für den Abbau von 3.900 Stellen erwirtschaftete die Bank 2025 einen Nettogewinn von 2,63 Milliarden Euro – nur knapp unter dem Rekordwert von 2,68 Milliarden aus dem Vorjahr. Bereinigt um die 700 Millionen Euro teuren Restrukturierungskosten hätte der Gewinn sogar ein neues Rekordhoch von 3 Milliarden Euro erreicht.
Die Aktionäre profitieren direkt: Die Dividende steigt von 65 Cent auf 1,10 Euro je Aktie. Zusätzlich startet die Bank am 12. Februar einen weiteren Aktienrückkauf über 540 Millionen Euro, der bis zum 26. März abgeschlossen sein soll. Zusammen mit dem im Dezember beendeten Rückkauf von 1 Milliarde Euro schüttet die Commerzbank damit 2,7 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus – mehr als ursprünglich versprochen.
Die starken Zahlen sind auch eine Botschaft an die italienische Großbank UniCredit, die mit gut 26 Prozent größter Aktionär der Commerzbank ist und seit Monaten über eine Übernahme spekuliert. UniCredit-Chef Andrea Orcel schreckt bisher vor einem offiziellen Angebot zurück, weil ihm der Aktienkurs zu hoch ist. Ab 30 Prozent Anteil wäre er zu einem Übernahmeangebot verpflichtet. Die Bundesregierung, die noch rund 12 Prozent hält, lehnt einen Verkauf an die Italiener ab.
Parallel gab die Bank bekannt, dass Risikovorstand Bernd Spalt das Unternehmen Ende 2026 aus persönlichen Gründen verlassen wird. Er will seinen Lebensmittelpunkt zurück nach Wien verlegen. Die Commerzbank-Aktie legte am Dienstag um gut 1 Prozent zu, notiert aber weiterhin unter ihrem Jahresstartniveau.
Microsoft schlägt Alarm: Schatten-KI als unterschätztes Unternehmensrisiko
Während viele Unternehmen KI-Tools einführen, um produktiver zu werden, warnt Microsoft in seinem aktuellen Cyber Pulse Report vor einer wachsenden Gefahr: der sogenannten Schatten-KI. Gemeint ist die Nutzung von KI-Anwendungen durch Mitarbeiter, ohne dass IT- oder Sicherheitsabteilungen davon wissen oder dies genehmigt haben.
Die Zahlen sind alarmierend: In über 80 Prozent der Fortune-500-Unternehmen sind KI-Helfer beim Programmieren bereits im Einsatz. Doch weniger als die Hälfte der Unternehmen verfügt über spezifische Sicherheitskontrollen für generative KI. 29 Prozent der Angestellten nutzen nicht genehmigte KI-Agenten für ihre Arbeit – und schaffen damit massive Sicherheitslücken.
Microsoft warnt vor konkreten Risiken: Böswillige Akteure könnten die Berechtigungen von KI-Agenten ausnutzen und sie zu unbeabsichtigten Doppelagenten machen. Das Defender-Team von Microsoft entdeckte kürzlich eine Kampagne, bei der Angreifer eine Technik namens Memory Poisoning nutzten, um den Speicher von KI-Assistenten dauerhaft zu manipulieren und damit deren Ergebnisse zu verfälschen.
Die Empfehlung: KI-Agenten sollten nur Zugriff auf die Daten haben, die sie zwingend für ihre Aufgabe benötigen. Unternehmen sollten ein zentrales Register einrichten, um zu sehen, welche KI-Agenten existieren, wem sie gehören und auf welche Daten sie zugreifen. Nicht genehmigte Agenten müssten identifiziert und isoliert werden. Die Microsoft-Aktie notierte am Dienstag zeitweise 1,9 Prozent höher.
Parallel arbeitet Microsoft an einer weiteren technologischen Innovation: Der Konzern testet supraleitende Stromkabel für seine Rechenzentren. Diese könnten die gleiche Strommenge wie herkömmliche Kabel transportieren, dabei aber deutlich weniger Platz beanspruchen – ein wichtiger Faktor beim rasanten Ausbau energieintensiver KI-Infrastruktur.
DAX ohne klare Richtung – US-Arbeitsmarktdaten im Fokus
Der deutsche Leitindex beendete den Dienstag mit einem minimalen Minus von 0,11 Prozent bei 24.988 Punkten – knapp unter der psychologisch wichtigen 25.000er-Marke. Die Anleger hielten sich zurück, denn am Mittwoch steht der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht für Januar an, gefolgt von Inflationsdaten am Freitag.
Diese Zahlen sind entscheidend für die Zinspolitik der US-Notenbank Fed. Aktuell rechnet der Markt mit zwei Zinssenkungen im Jahr 2026. Sollten die Daten positiv überraschen, könnte dies die Zinssenkungsfantasie untermauern. Schwache Zahlen hingegen würden Zweifel am Konjunkturausblick schüren.
Chartexperten von UBS sehen die 25.000-Punkte-Marke erst dann nachhaltig überwunden, wenn der DAX auch die Kurslücke vom 19. Januar bei 25.300 Punkten schließt. Dann könnte der Weg zum Rekordhoch bei gut 25.500 Punkten wieder frei sein. Vor rund drei Wochen hatte Unsicherheit über die Grönland-Politik von US-Präsident Donald Trump zu Gewinnmitnahmen geführt.
Während der DAX kaum vom Fleck kam, zeigte sich der japanische Nikkei weiterhin in Kauflaune: Nach dem Wahlsieg von Premierministerin Sanae Takaichi legte der Index um weitere 2,3 Prozent zu – nach einem Kurssprung von rund vier Prozent am Vortag.
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Was diese Woche noch wichtig wird
Die kommenden Tage dürften richtungsweisend werden: Am Mittwoch veröffentlicht die Commerzbank ihre vollständigen Geschäftszahlen, während aus den USA der monatliche Arbeitsmarktbericht erwartet wird. Am Donnerstag steht eine Flut von Unternehmenszahlen an, bevor am Freitag die US-Inflationsdaten die Woche abschließen. Diese Daten werden zeigen, ob die Fed ihren Zinssenkungskurs bestätigen kann – oder ob die Märkte ihre Erwartungen anpassen müssen.
Eines wird deutlich: Ob im Kampf um Medienkonzerne, bei Bankgewinnen oder beim Umgang mit KI – die Akteure agieren zunehmend aggressiv und risikobereit. Die Frage ist, wie lange die Märkte diesen Kurs mittragen.
Bis morgen,
Andreas Sommer


