Anfang Juni hat Partners Group seinen Flaggschiff-Evergreen-Fonds für Rücknahmen begrenzt — und damit den schlimmsten Handelstag seit dem Börsengang 2006 ausgelöst. Der Schaden ist erheblich. Die Frage ist, ob er dauerhaft ist.

Warum die Rücknahmebremse so hart traf

Der Global Value SICAV, ein rund 8,6 Milliarden Dollar schwerer Fonds, begrenzte Auszahlungen auf 5 Prozent des Nettoinventarwerts pro Quartal. Der Auslöser: Rücknahmeanträge hatten fast das Doppelte dieses Schwellenwerts erreicht — knapp 9,8 Prozent des NAV.

Die Reaktion war unmittelbar. Die Aktie brach an einem einzigen Tag um 17 Prozent ein. Zuletzt hatte Partners Group eine solche Bremse während der COVID-Pandemie gezogen.

Der Druck beschränkt sich nicht auf einen Fonds. Ein US-Vehikel in Delaware verzeichnet Rücknahmeanfragen von rund 6 Prozent des NAV. Drei weitere Evergreen-Fonds mit kombiniert rund 9,7 Milliarden Dollar Volumen erwarten für das zweite Quartal Rücknahmen zwischen 3,5 und 5 Prozent.

Wer zieht ab — und warum

Der Rücknahmedruck kommt vor allem von Privatvermögenskunden. Sie machen rund ein Fünftel des verwalteten Vermögens aus — und reagieren erfahrungsgemäß nervöser als institutionelle Investoren. Das Muster begann sich bereits Anfang 2026 in Private-Credit-Vehikeln aufzubauen und verlagerte sich dann auf Private-Equity-Strukturen.

Partners Group betont, dass seine Private-Credit-Evergreen-Fonds in 2025 und 2026 keine Nettorücknahmen verbucht haben. Die institutionellen 80 Prozent des Portfolios bleiben stabil.

Die Schockwellen reichten über das Unternehmen hinaus. EQT verlor über 6 Prozent. CVC Capital Partners, KKR und Bridgepoint gaben ebenfalls deutlich nach.

Jahresziele bestätigt — mit Dämpfer für 2027

Das Management hält am Ziel von 26 bis 32 Milliarden Dollar Bruttoneugeldzufluss für 2026 fest. Im ersten Halbjahr sollen Zuflüsse bei Evergreen-Fonds die Abflüsse übersteigen.

Allerdings rechnet Partners Group für das zweite Halbjahr 2026 damit, dass das Nettowachstum der verwalteten Vermögen durch die Evergreen-Plattform um 1 bis 2 Prozent gebremst wird. Den gleichen Effekt erwartet das Unternehmen auch für das Gesamtjahr 2027.

Analysten kürzen Kursziele, bleiben aber positiv

Trotz allem halten die meisten Analysten an Kaufempfehlungen fest — wenn auch mit deutlich niedrigeren Kurszielen. Vontobel senkte auf 960 von zuvor 1.200 Franken. Julius-Bär-Analyst Roger Degen strich sein Ziel auf 1.200 von 1.400 Franken, zählt die Aktie aber weiter zu seinen Top-Empfehlungen. Er verweist auf die Dividendenrendite von mittlerweile 6,5 Prozent.

ZKB-Analyst Daniel Regli nannte die Marktreaktion „übertrieben“ — eine Einschätzung, die auch Analysten von Octavian und der Helvetischen Bank teilen. Laut ZKB machten die Rücknahmen weniger als 1 Prozent der gesamten verwalteten Vermögen aus.

PitchBook-Analyst Nicolas Moura ordnete die Lage nüchtern ein: „Evergreen fund gates are often misread as a red flag, but they are precisely the mechanism these structures were designed for.“

Die Aktie notiert aktuell bei 772,60 Euro — rund 36 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 1.213,50 Euro aus dem August 2025. Mit einem RSI von 26,7 gilt das Papier als stark überverkauft.

Den nächsten konkreten Datenpunkt liefert Partners Group im Juli: die AuM-Zahlen per Ende Juni. Sie werden zeigen, ob der Rücknahmedruck im zweiten Quartal nachgelassen hat — oder ob er sich weiter aufgebaut hat.