Die Partners Group Aktie fällt auf 703,00 Euro — ein neues 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits 35,6 Prozent verloren. Der Grund ist kein unternehmensspezifisches Problem, sondern ein sich ausbreitender Liquiditätsdruck, der den gesamten Private-Credit-Sektor erfasst.

Rücknahmewelle trifft die ganze Branche

Morgan Stanley und Apollo Global Management haben Rücknahmen bei ihren großen Privatkredit-Fonds beschränkt. Beim Morgan Stanley North Haven Private Income Fund, der rund 7 Milliarden US-Dollar verwaltet, forderten Anleger im zweiten Quartal 2026 Rücknahmen von 11,6 Prozent der Anteile. Ausgezahlt wurden nur 5 Prozent des Nettoinventarwerts.

Noch größer war der Druck bei Apollo. Investoren beantragten beim 26 Milliarden US-Dollar schweren „Apollo Debt Solutions“-Fonds Rücknahmen von 16,8 Prozent — rund 2,4 Milliarden US-Dollar. Nach den Beschränkungen flossen netto nur etwa 400 Millionen US-Dollar ab.

Auffällig: Ein erheblicher Teil der neuen Anträge stammt von Anlegern, die bereits im ersten Quartal nicht vollständig bedient wurden. Sie versuchen nun erneut, Kapital abzuziehen. Das verstärkt den Druck auf die Fonds zusätzlich.

Bewertungsrisiken durch KI-Skepsis

Die Branche kämpft mit einer Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation und steigenden Ausfallraten. Laut Moody’s sind die Ausfallraten im US-Privatkreditmarkt auf über 5 Prozent gestiegen.

Hinzu kommt ein sektorspezifisches Risiko. Der Morgan Stanley North Haven Fonds hält über 22 Prozent seines Portfolios in Software-Investments. Angesichts wachsender Zweifel an den KI-Ausgaben und einer Verkaufswelle bei Technologiewerten — der Nasdaq 100 verlor am Dienstag 3,29 Prozent — wächst die Sorge vor Bewertungskorrekturen in den Portfolien der Private-Equity-Häuser.

Ferner erhöht die Federal Reserve den Druck. Am 17. Juni 2026 ließ sie die Zinsen unverändert, signalisierte aber eine straffere Geldpolitik. Neun von 18 Ausschussmitgliedern prognostizieren für 2026 eine Zinserhöhung. Die mediane Zinsprognose für Jahresende 2026 liegt bei 3,8 Prozent. Höhere Kapitalkosten belasten die fremdfinanzierten Modelle der Private-Equity-Branche direkt.

Technisches Bild zeigt extreme Schwäche

Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 22,6 — tief im überverkauften Bereich. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt bei 1.014,32 Euro beträgt inzwischen über 30 Prozent. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität ist auf 52,86 Prozent gestiegen.

Der semiliquide Fondsmarkt verwaltete bis Ende März 2026 fast 600 Milliarden US-Dollar. Wie viel davon unter anhaltenden Rücknahmedruck gerät, hängt wesentlich davon ab, ob die Ausfallraten weiter steigen und ob die Fed tatsächlich im zweiten Halbjahr 2026 die Zinsen anhebt. Beides würde Partners Group unmittelbar treffen.