Rücknahmen in Milliardenhöhe, ein Aktienkurs auf Jahrestief und nun ein klares Statement aus der Führungsetage: Partners Group-Verwaltungsratspräsident Steffen Meister hat in einem Bloomberg-Interview die strategische Reaktion des Schweizer Asset Managers auf die Evergreen-Krise skizziert. Die Botschaft ist eindeutig — und überraschend nüchtern.
Kleinere Fonds, größerer Fokus auf Institutionelle
Meister kündigte an, die Evergreen-Fonds künftig etwas kleiner zu halten. Wörtlich: „Wir prüfen die offenen Fonds und könnten sie künftig etwas kleiner halten, stärker abgestimmt auf die Entwicklung der Kapitalflüsse.“ An der übergeordneten Strategie ändert das nichts.
Wichtiger ist die Verschiebung im Fokus. Meister räumte ein, dass Aktieninvestoren die Bedeutung des Retail-Segments überschätzt haben. „Was wir nicht genug betont haben, ist, dass die anderen 80 Prozent — nämlich die institutionellen Investoren — deutlich wichtiger sind.“ Versicherungen allein machen bereits bis zu 15 Prozent des weltweit verwalteten Vermögens aus.
Was die Rücknahmewelle ausgelöst hat
Der Luxemburger Evergreen-Fonds Partners Group Global Value SICAV verzeichnete im zweiten Quartal 2026 Rückgabeanträge von rund 9,8 Prozent des Nettoinventarwerts. Ein Delaware-domiziliertes Private-Equity-Vehikel lag leicht über der 5-Prozent-Schwelle — bei rund 6 Prozent. Die Rücknahmen kamen vor allem von wohlhabenden Anlegern aus dem asiatisch-pazifischen Raum.
Trotz des Drucks hält Partners Group an seiner Wachstumsprognose fest. Für 2026 erwartet das Unternehmen Brutto-Neukundengelder von 26 bis 32 Milliarden US-Dollar. Die Evergreen-Störungen bremsen diesen Pfad nach eigener Einschätzung nur um ein bis zwei Prozentpunkte.
Insider kaufen, Analysten senken
Goldman Sachs, Bank of America, Jefferies und Oddo BHF haben im Juni allesamt ihre Kursziele oder Ratings gesenkt. Sechs Führungskräfte — darunter Mitgründer Fredy Gantner — kauften dagegen in einer einzigen Woche Aktien für insgesamt 5,29 Millionen Schweizer Franken. Gantner nannte die Marktreaktion „übertrieben“, räumte aber ein, dass das Unternehmen „definitiv besser und proaktiver kommunizieren“ müsse.
Die Aktie schloss am Freitag bei 717,00 Euro — gerade einmal 4,4 Prozent über dem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat der Kurs rund 34 Prozent verloren.
Am 15. Juli veröffentlicht Partners Group das AuM-Update für Ende Juni. Die Zahlen zeigen, ob institutionelle Zuflüsse die Rücknahmen ausgeglichen haben — und ob Meisters Neuausrichtung bereits greift. Separat plant der Vorstand eine Aufspaltung des Londoner Private-Equity-Trusts in zwei Anteilsklassen. Aktionäre sollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung Ende 2026 darüber abstimmen.
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