Fast 40 Prozent unter dem Jahreshoch — und nur einen Wimpernschlag vom 52-Wochen-Tief entfernt. Die Partners-Group-Aktie steckt in einer Krise, die zwei Ursachen hat: einen aggressiven Leerverkäufer und eine Welle von Rücknahmeanträgen, die das Kernprodukt des Unternehmens unter Druck setzt.
Grizzly Research und der Rücknahme-Schock
Ende April veröffentlichte der US-Leerverkäufer Grizzly Research einen 37-seitigen Bericht. Kernthese: Bis zu 40 Prozent der Assets in den Evergreen-Fonds könnten material fehlbewertet sein. Partners Group wies die Vorwürfe als „leichtfertig, verleumderisch und irreführend“ zurück und reichte Klage ein.
Wenige Wochen später folgte der operative Rückschlag. Anfang Juni kappte Partners Group die Rücknahmen aus seinem milliardenschweren Global Value SICAV bei 5 Prozent des Nettoinventarwerts — nachdem Anträge auf geschätzte 9,8 Prozent gestiegen waren. Drei weitere Evergreen-Fonds mit einem Gesamtvolumen von rund 9,7 Milliarden US-Dollar dürften im zweiten Quartal Rücknahmen zwischen 3,5 und 5 Prozent verzeichnen.
Unternehmen hält dagegen
Am 12. Juni stellte Partners Group klar: Eine Einfrierung der Evergreen-Vehikel ist nicht geplant. Die Portfolios seien gesund, Liquidität ausreichend vorhanden. Beide betroffenen Fonds hätten seit Auflegung das Fünffache erzielt und 2025 Realisierungen von rund 15 Prozent geliefert — ähnliche Erwartungen bestehen für 2026.
Die Jahresprognose bleibt stehen. Partners Group erwartet Brutto-Neugeldzuflüsse zwischen 26 und 32 Milliarden US-Dollar für 2026. Allerdings wird die Evergreen-Belastung das Netto-AuM-Wachstum im zweiten Halbjahr 2026 dämpfen — und ähnlich auch 2027. Performancegebühren landen voraussichtlich am unteren Ende der Bandbreite von 25 bis 40 Prozent des Umsatzes.
Am 21. Mai lancierte das Management eine „Total Return Strategy“: geringerer Verschuldungsgrad, längere Haltedauer von bis zu zwölf Jahren, regelmäßige Ausschüttungen. Ein strukturelles Gegensteuern — aber kein schnelles.
Dividendenrendite auf Rekordniveau, Analysten gespalten
Die Kehrseite des Kurssturzes: Die Dividendenrendite hat ein historisches Niveau erreicht. FactSet-Schätzungen projizieren für 2026 eine Vorwärtsrendite von rund 6,56 Prozent — die höchste im Swiss Large & Mid Cap Index. Partners Group hat 20 Jahre in Folge eine Dividende gezahlt und diese 17 Jahre in Folge erhöht.
Die Aktie notiert bei 735 Euro, knapp über dem 52-Wochen-Tief von 731,40 Euro, und liegt seit Jahresbeginn rund 33 Prozent im Minus. Der RSI liegt bei 26 — technisch tief im überverkauften Bereich.
Oddo BHF hat die Aktie von Kaufen auf Halten abgestuft. Gewinnprognosen für 2026 und 2027 wurden je nach Analysehaus um 10 bis 22 Prozent gesenkt. Das durchschnittliche Kursziel liegt laut cash.ch bei 957 Franken, die Spanne reicht von 760 bis 1.400 Franken. Neun Analysten empfehlen den Kauf, sieben raten zum Halten, einer zum Verkauf.
Den ersten konkreten Datenpunkt liefert der 15. Juli: Partners Group veröffentlicht dann die verwalteten Vermögen per 30. Juni. Das Update zeigt, wie stark die Rücknahmewelle die AuM-Basis tatsächlich getroffen hat — und ob der Boden hält.
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