Führungskräfte und Gründer von Partners Group kaufen in einem ungewöhnlichen Ausmaß eigene Aktien — ausgerechnet während der Kurs auf ein Mehrjahrestief gefallen ist. Das Signal ist klar. Nur in welche Richtung, darüber sind Insider und externe Analysten fundamental uneins.

Kurs auf COVID-Tief, Insider kaufen für Millionen

Am Montag fiel die Aktie auf 669 Schweizer Franken — der tiefste Stand seit dem Beginn der COVID-19-Krise. Das Jahresverlust beläuft sich auf rund 30 Prozent. Ausgelöst hatte den Einbruch die Entscheidung, Rücknahmen in einem Flaggschiff-Evergreen-Fonds mit 8,6 Milliarden Dollar einzuschränken.

Trotzdem kaufen Insider. Allein im Juni erwarben sie Aktien für rund 31 Millionen Franken. Seit Februar flossen fast 60 Millionen Franken in eigene Papiere. Mitgründer Fredy Gantner stockte seine Position auf und bezeichnete den Kursrutsch als massive Überreaktion des Marktes. Er räumte allerdings ein, dass Partners Group proaktiver kommunizieren müsse.

Das Unternehmen geht außerdem juristisch vor: Es verklagte den US-Shortseller Grizzly Research, den es für den Kurseinbruch verantwortlich macht.

Analysten senken Kursziele reihenweise

Externe Analysten sehen das Bild deutlich nüchterner. Goldman Sachs kürzte sein Kursziel innerhalb einer Woche gleich zweimal — zuletzt von 960 auf 860 Franken. Analyst Oliver Carruthers verwies auf hohe Rücknahmeanträge, schwächere Fondsperformance gegenüber Wettbewerbern und trübere Wachstumsaussichten.

Bank of America senkte das Ziel von 1.150 auf 850 Franken, Jefferies von 1.130 auf 760 Franken — beide mit Halten-Empfehlung. Oddo BHF stufte die Aktie von Kaufen auf Halten herab. AlphaValue/Baader Europe kürzte am 19. Juni auf 1.008 Franken und erwartet, dass das AuM-Wachstum 2026 gegenüber 2025 stagniert. Die EPS-Schätzung für 2026 fällt auf 46 Franken, für 2027 auf 49,7 Franken — ein Rückgang von fast 21 Prozent gegenüber früheren Erwartungen.

Insgesamt strichen mehrere Banken ihre Gewinnschätzungen für die kommenden zwei Jahre um bis zu 22 Prozent zusammen.

Management hält Kurs, Struktur soll sich ändern

Das Kernproblem der Bären: Wenn das Gating die Gebühreneinnahmen drückt, bewertet der Markt Partners Group nach dem Ertragsstream — nicht nach dem Portfoliowert. Der NAV mag stabil sein. Für den Kurs zählt das kurzfristig wenig.

Das Management hält dennoch an seinen mittelfristigen Zielen fest. Für 2026 erwartet der Vorstand Brutto-Neugeldzuflüsse zwischen 26 und 32 Milliarden Dollar. Die Unruhe auf der Evergreen-Plattform soll das AuM-Wachstum um ein bis zwei Prozentpunkte dämpfen — mehr nicht.

Als strukturelle Antwort plant Partners Group, die betroffenen Fondsstrukturen in Beteiligungs- und Realisierungsaktien aufzuspalten. Letztere ermöglichen verkaufswilligen Anlegern einen geordneten Ausstieg ohne Zwangsverkäufe im Portfolio.

Trotz aller Kursziel-Senkungen bleibt der Konsens mehrheitlich konstruktiv: Von 13 Analysten empfehlen 6 die Aktie zum Kauf, 7 votieren für Halten, keiner rät zum Verkauf. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt bei 966 Franken — rund 44 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Den ersten konkreten Stresstest liefert der 15. Juli: Dann veröffentlicht Partners Group das AuM-Update per 30. Juni. Die Zahlen zeigen, ob die Nettozuflüsse die Rücknahmen aus dem Global Value SICAV kompensiert haben. Am 1. September folgt der Halbjahresbericht.