Ein Rekord-Fundraising von 16 Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr 2026 klingt zunächst nach uneingeschränkt guten Nachrichten für Partners Group. Doch der Schweizer Vermögensverwalter kämpft zugleich mit Rücknahmedruck bei einem seiner „Evergreen“-Fonds und einer spürbaren Verfehlung der eigenen Ziele bei den Performance-Gebühren. Das zeigt: Der Wachstumserfolg beim Neugeschäft verdeckt strukturelle Probleme in Teilen des Portfolios.
Rücknahmen durchbrechen die Gating-Grenze
Im Zentrum der Sorgen steht der Evergreen-Fonds „Global Value SICAV“. Laut einer Ad-hoc-Mitteilung von Partners Group verzeichnete das Vehikel im zweiten Quartal 2026 Rücknahmeanträge in Höhe von 9,8 Prozent des Nettoinventarwerts – nahezu doppelt so hoch wie die vertraglich vereinbarte Gating-Grenze von 5 Prozent. Anleger wollten also deutlich mehr Kapital abziehen, als der Fonds ohne Beschränkung auszahlen kann. Solche Evergreen-Strukturen sind eigentlich als semi-liquide Alternative zu klassischen geschlossenen Private-Equity-Fonds konzipiert, offenbaren nun aber die Grenzen dieses Versprechens, wenn viele Investoren gleichzeitig aussteigen wollen.
Parallel dazu meldete Partners Group im Business Update zum 30. Juni 2026, dass die Performance-Gebühren im ersten Halbjahr unter 20 Prozent der Gesamterlöse blieben. Das liegt unter dem mittelfristigen Zielkorridor von 25 bis 40 Prozent, den das Unternehmen selbst ausgegeben hatte. Diese Gebühren hängen direkt von realisierten Erfolgen bei Investitionen ab – ihr Rückgang deutet auf ein schwächeres Verwertungsumfeld hin, auch wenn das verwaltete Vermögen insgesamt weiter wuchs.
Verwaltetes Vermögen legt zu, Ausblick bestätigt
Positiv fällt dagegen die Entwicklung des Assets under Management aus: Zum Stichtag 30. Juni 2026 lag das verwaltete Vermögen bei 186 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 174 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Partners Group bestätigte zudem seine Guidance für die Brutto-Kundennachfrage im Gesamtjahr 2026 in einer Spanne von 26 bis 32 Milliarden US-Dollar. Die detaillierten Halbjahreszahlen sollen laut Unternehmensangaben am 1. September 2026 veröffentlicht werden – dann dürfte sich zeigen, wie stark der Liquiditätsdruck bei den Evergreen-Produkten das Gesamtbild belastet.
Ein Lichtblick liefert das „Royalties“-Segment: Das dort verwaltete Vermögen wuchs im ersten Halbjahr um 50 Prozent auf 1,5 Milliarden US-Dollar, das Portfolio umfasst mittlerweile 53 Investments. Medienberichten zufolge zählen dazu auch Lizenzrechte an „South Park“. Damit baut Partners Group eine Nische aus, die abseits klassischer Beteiligungsgeschäfte planbare Erlösströme verspricht.
Kapitalrückführung und neue Investments
Auf der Kapitalseite kündigte CEO David Layton an, in der kommenden Verwaltungsratssitzung eine Debatte über Aktienrückkäufe im Vergleich zu Dividendenzahlungen zu führen. Eine konkrete Entscheidung steht noch aus, doch die Ankündigung signalisiert, dass das Management angesichts des stark gefallenen Aktienkurses über Möglichkeiten zur Kapitalrückführung nachdenkt.
Operativ blieb Partners Group derweil aktiv: Das Unternehmen investierte rund 260 Millionen britische Pfund in eine britische Leasingplattform für Schienenfahrzeuge und erwarb von der Avenue Capital Group eine Beteiligung an einem globalen Portfolio für kommerzielles Flugzeug-Leasing. Beide Transaktionen zeigen, dass die Investitionstätigkeit trotz der Probleme im Evergreen-Bereich weiterläuft.
Kursbild bleibt angeschlagen
An der Börse spiegelt sich die gemischte Nachrichtenlage in einem deutlich reduzierten Kurs wider. Die Aktie schloss zuletzt bei 726,00 Euro, nach einem Tagesverlust von 2,31 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 31,57 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.213,50 Euro, das im August 2025 erreicht wurde, beträgt der Abstand mittlerweile 40,17 Prozent – ein Ausmaß, das die Schwere des Kursrückgangs verdeutlicht und die Diskussion um Aktienrückkäufe im Verwaltungsrat zusätzliche Brisanz verleihen dürfte.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Rekordzuflüsse und ein wachsendes Royalties-Geschäft stehen einem spürbaren Liquiditätsdruck bei den Evergreen-Fonds und schwächeren Performance-Gebühren gegenüber. Die für September angekündigten Halbjahreszahlen dürften zeigen, welche der beiden Entwicklungen langfristig die Oberhand behält.
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