Ausgangslage
Partners Group steckt in einer Umbauphase, die Anleger derzeit mit Skepsis begleiten. Am 1. September bestätigte der Beteiligungsmanager, dass Unternehmenschef David Layton zum Jahresende zurücktritt und ins Amt des Chief Investment Officer wechselt.
Roberto Cagnati und Juri Jenkner übernehmen als Co-CEOs. Der Wechsel fällt in eine Phase, in der die Halbjahreszahlen bereits Schwächen offenbarten: Die Erträge sanken um 7 Prozent auf 1,12 Milliarden Franken, die Performance Fees brachen um 39 Prozent ein.
Das EBITDA gab um 9 Prozent auf 706 Millionen Franken nach, der Gewinn fiel um 13 Prozent auf 502 Millionen Franken. Gleichzeitig senkte das Unternehmen seine Guidance für den Anteil der Performance-Erträge am Gesamtertrag von 25 bis 40 Prozent auf nur noch 20 bis 25 Prozent.
Die Aktie notiert bei 685,60 Euro und damit nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 682,80 Euro, das erst am Donnerstag markiert wurde. Der Kurs hat sich damit binnen zwölf Monaten fast halbiert. Warum die Doppelbelastung aus Führungswechsel und schwächerer Ertragsqualität gerade jetzt zählt: Der Markt muss neu bewerten, ob die neue Führungsspitze die strukturellen Probleme lösen kann, während das operative Geschäft bereits Risse zeigt.
Die entscheidende Frage
Im Zentrum steht eine einzige Kennzahl: der Anteil der Performance Fees am Gesamtertrag. Diese erfolgsabhängigen Gebühren sind das, was Partners Group von einem reinen Verwaltungsgebühren-Geschäft unterscheidet – und genau hier liegt die Schwachstelle.
Die Kürzung der Guidance auf 20 bis 25 Prozent signalisiert, dass das Unternehmen selbst nicht mehr mit einer schnellen Erholung der Exit- und Bewertungsaktivität rechnet. Ob Cagnati und Jenkner diesen Trend umkehren können, wird über die Bewertung der Aktie in den kommenden Quartalen entscheiden.
Bullisches Szenario
Für Optimisten spricht das robuste Fundraising: Im ersten Halbjahr sammelte Partners Group einen Rekordbetrag von 16 Milliarden US-Dollar ein, ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das verwaltete Vermögen wuchs um 7 Prozent auf 186 Milliarden US-Dollar.
Auch das Transaktionsgeschäft läuft: Im August verhandelte das Unternehmen exklusiv über eine Mehrheitsbeteiligung an der französischen Naturkosmetikmarke Aroma-Zone von Eurazeo mit einem Unternehmenswert von rund 2 Milliarden Euro, parallel dazu vereinbarte man den Einstieg bei AVK Power Solutions, einem Anbieter von Stromversorgungslösungen für Rechenzentren, mit einer geplanten Eigenkapitalinvestition von über 1 Milliarde US-Dollar.
Solange das Fundraising auf diesem Niveau bleibt, wächst die Gebührenbasis für künftige Erträge – selbst wenn die Performance Fees vorübergehend schwächeln. Die geordnete Nachfolgeplanung mit erfahrenen internen Managern statt eines externen Bruchs spricht zudem für Kontinuität in der Anlagestrategie.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt in der Struktur des Geschäftsmodells selbst. Wenn reife Fonds ihre Vermögenswerte nicht zu den erwarteten Bewertungen verkaufen können, bleiben Performance Fees aus – und genau das deutet die gesenkte Guidance an.
Ein Analyst hatte bereits im Juli vor „negativem EPS-Momentum“ und weiteren Gating-Maßnahmen bei reifen Evergreen-Fonds gewarnt und das Kursziel von 1.175 auf 705 Franken gekappt, verbunden mit einer Abstufung von Kaufen auf Neutral. Sollte sich dieses Muster verstetigen, droht eine Abwärtsspirale: sinkende Bewertungen erschweren Exits, ausbleibende Exits drücken erneut auf die Fees.
Der Führungswechsel selbst birgt zusätzliche Unsicherheit – Co-CEO-Modelle bergen das Risiko geteilter Verantwortung in einer Phase, die klare strategische Entscheidungen braucht. Die technische Verfassung der Aktie unterstreicht die Nervosität: Der Kurs bewegt sich klar unter seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen, dass der mittelfristige Trend intakt abwärts gerichtet bleibt.
Ausblick
Solange Partners Group sein Fundraising-Momentum hält und neue Transaktionen wie den jüngsten Wiedereinstieg bei atNorth mit einer 10-Prozent-Beteiligung für 260 Millionen US-Dollar Eigenkapital stemmen kann, bleibt die These vom strukturellen Wachstumsmanager intakt.
Kippt jedoch die Erholung der Performance Fees weiter ab und bestätigt sich das Muster ausbleibender Exits, dürfte der Druck auf die Bewertung anhalten.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Amtsantritt von Cagnati und Jenkner zum Jahresende – erst danach zeigt sich, ob die neue Doppelspitze operative Antworten auf die gesenkte Guidance liefert oder ob die Verunsicherung der vergangenen Monate anhält.
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