Starke Insiderkäufe, schwache Kurse. Bei Partners Group klaffen Realität und Marktstimmung extrem auseinander. Seit Februar investierten Führungskräfte fast 60 Millionen Franken in eigene Papiere. Der Markt ignoriert dieses Signal komplett.
Leerverkäufer löst Panik aus
Auslöser der Talfahrt ist ein Bericht von Grizzly Research. Der US-Leerverkäufer behauptete im April, Evergreen-Fonds von Partners Group seien massiv falsch bewertet. Er zog sogar Parallelen zu Wirecard. Das Management wies die Vorwürfe als verleumderisch zurück und reichte Klage ein.
Mitgründer Alfred Gantner nannte die Kritik nachweislich unbegründet. Er sieht den Kursrutsch als branchenweite Neubewertung. Sein Kollege Fredy Gantner kaufte Aktien nach. Er räumte allerdings Kommunikationsfehler ein.
Die Börse straft das Papier gnadenlos ab. Die Aktie notiert aktuell bei 696,40 Euro. Das entspricht einem Minus von gut 36 Prozent seit Jahresbeginn. Der Kurs bewegt sich damit nur knapp über dem frischen 52-Wochen-Tief.
Ein RSI-Wert von 21,7 signalisiert einen extrem überverkauften Zustand. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt inzwischen 31 Prozent.
Rücknahmen begrenzt
Der Angriff des Shortsellers wirkt sich auf das Geschäft aus. Anfang Juni drosselte Partners Group die Rücknahmen aus dem Global Value SICAV. Der Fonds verwaltet 8,6 Milliarden US-Dollar. Das Management limitierte die Abflüsse auf fünf Prozent des Nettoinventarwerts. Zuvor waren die Rücknahmeanträge auf fast zehn Prozent hochgeschossen.
Ein weiteres Vehikel in Delaware verzeichnete Abflüsse von rund sechs Prozent. Drei andere Evergreen-Fonds erwarten im zweiten Quartal ebenfalls spürbare Rücknahmen. Den größten Verkaufsdruck erzeugen dabei Privatanleger. Sie stellen etwa 20 Prozent der verwalteten Vermögen und reagieren nervöser als institutionelle Kunden.
Die Folge: ein radikaler Schnitt in London. Der Verwaltungsrat plant eine Aufspaltung des dort gelisteten Fonds Partners Group Private Equity Limited. Aktionäre sollen künftig zwischen Beteiligungs- und Realisierungsaktien wählen. Damit können ausstiegswillige Anleger ihre Anteile abstoßen. Das Volumen dieser Papiere ist auf 30 Prozent des Kapitals begrenzt. Die Generalversammlung muss dem Vorschlag noch zustimmen.
Analysten kürzen Prognosen
Experten reagieren auf die Unsicherheit. Analysten senkten ihre Gewinnprognosen für die kommenden zwei Jahre um 10 bis 22 Prozent. Sie bemängeln fehlende Wachstumsimpulse und eine geringe Sichtbarkeit.
Partners Group rechnet ebenfalls mit Gegenwind. Die Evergreen-Plattform dürfte das Wachstum im zweiten Halbjahr leicht bremsen. Das Unternehmen hält aber an seiner Jahresprognose fest. Das Management erwartet weiterhin eine Brutto-Neukundennachfrage zwischen 26 und 32 Milliarden US-Dollar.
Am 15. Juli legt Partners Group die verwalteten Vermögen per Ende Juni offen. Dieses Update liefert den ersten harten Beweis, wie stark die Abflusswelle das Fundament wirklich getroffen hat. Fällt die Zahl besser als erwartet aus, bietet das dem überverkauften Kurs eine konkrete Chance auf Stabilisierung.
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