Partners Group expandiert weiter ins Infrastrukturgeschäft rund um künstliche Intelligenz. Der Schweizer Vermögensverwalter erwarb am Donnerstag eine Mehrheitsbeteiligung an AVK Power Solutions, einem britischen Anbieter für Stromversorgung von Rechenzentren. Der initiale Eigenkapitaleinsatz liegt laut Bloomberg bei über einer Milliarde US-Dollar.

Die Transaktion reiht sich in eine Serie größerer Engagements ein, mit denen Partners Group vom Boom der Datencenter-Infrastruktur profitieren will. Stromversorgung gilt als eines der zentralen Nadelöhre beim Ausbau von KI-Rechenzentren weltweit, entsprechend hoch ist das Interesse institutioneller Investoren an entsprechenden Anlagen.

Zweites Übernahmeprojekt parallel in Verhandlung

Am selben Tag wurde bekannt, dass Partners Group in exklusive Verhandlungen mit Eurazeo über den Erwerb der europäischen Naturkosmetik- und Wellness-Marke Aroma-Zone eingetreten ist. Eurazeo soll nach Unternehmensangaben eine Minderheitsbeteiligung behalten. Die beiden zeitgleich laufenden Deals zeigen, wie breit Partners Group derzeit investiert – von Infrastruktur bis Konsumgüter.

Untermauert wird die Expansionsstrategie durch die operative Entwicklung im ersten Halbjahr. Im Zeitraum warb der Vermögensverwalter nach eigenen Angaben Kundengelder in Höhe von 16 Milliarden US-Dollar ein, ein Rekordwert. Die verwalteten Vermögen kletterten damit per Ende Juni auf 186 Milliarden US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte Partners Group eine Prognose von 26 bis 32 Milliarden US-Dollar an Neugeldern.

Kursverlauf spiegelt Vertrauensverlust wider

An der Börse hat sich das operative Wachstum bislang nicht in einer Kurserholung niedergeschlagen. Die Aktie schloss am Dienstag bei 785,20 Euro, nach einem Rückgang seit Jahresbeginn von 25,99 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.240,00 Euro, erreicht Anfang September vergangenen Jahres, fehlen dem Papier noch 36,68 Prozent.

Der Kursverfall der vergangenen Monate hat einen konkreten Auslöser: Im April veröffentlichte der Leerverkäufer Grizzly Reports einen kritischen Bericht, der Partners Group vorwarf, bis zu 40 Prozent der Investitionen in seinen Evergreen-Fonds seien überbewertet.

Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Kurz darauf begrenzte Partners Group im Juni Rücknahmen aus einem großen Private-Equity-Fonds mit rund 8,6 Milliarden US-Dollar Volumen auf 5 Prozent des Nettoinventarwerts pro Quartal – eine Reaktion auf sprunghaft gestiegene Rückgabewünsche von Anlegern.

Diese Gating-Maßnahme dürfte das Misstrauen einiger Investoren zusätzlich befeuert haben, obwohl sie technisch üblich ist, um Fonds vor überstürzten Abflüssen zu schützen. Zumindest kurzfristig zeigt sich der Kurs inzwischen etwas stabilisiert: Auf 30-Tage-Sicht steht ein Plus von 4,30 Prozent, der Titel notiert damit 5,13 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt.

Neue Deals als Vertrauenssignal vor Halbjahreszahlen

Die jüngsten Zukäufe im Infrastruktur- und Konsumgüterbereich lassen sich auch als Versuch lesen, das durch den Leerverkäufer-Bericht angekratzte Vertrauen operativ zu widerlegen. Anleger erhalten am 1. September mit der Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse eine erste umfassende Standortbestimmung, in der sich zeigen dürfte, ob die Rekord-Mittelzuflüsse und die neuen Beteiligungen die Bewertungssorgen tatsächlich zerstreuen können.