Die Bundesbank bringt einen neuen Vorstoß gegen die Dominanz von PayPal und anderen US-Zahlungsdiensten in Europa ins Spiel. Notenbank-Vorstand Lutz Lienenkämper regte bei einem Zahlungsverkehrs-Symposium in Frankfurt an, den geplanten digitalen Euro künftig direkt in die Wallet der europäischen Bezahllösung Wero zu integrieren. Das Ziel: mehr Unabhängigkeit von amerikanischen Anbietern beim digitalen Bezahlen.
Wero als europäische Antwort
Wero wird von der European Payments Initiative getragen, einem Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister. Der Dienst funktioniert nach dem Vorbild von PayPal und ermöglicht mobile Geldüberweisungen zwischen Privatpersonen, mittlerweile auch Zahlungen im Online-Handel.
Nach aktuellem Stand zählt Wero 57 Millionen registrierte Nutzer in Deutschland, Frankreich und Belgien, die Einführung in den Niederlanden, Luxemburg und Österreich läuft.
Trotz dieser Reichweite sieht die Bundesbank noch deutliches Ausbaupotenzial. Lienenkämper sprach von einer Aufgabe, die „mit Nachdruck“ verfolgt werden müsse. Der digitale Euro selbst ist frühestens für 2029 angepeilt und soll laut Notenbank kein Ersatz für Bargeld oder private Zahlungslösungen sein, sondern eine Ergänzung. Kritiker stellen angesichts der Kosten des Projekts dessen Nutzen infrage.
Was das für PayPal bedeutet
Für PayPal ist der Vorstoß ein Signal, dass der politische Druck in Europa wächst. Der Konzern dominiert gemeinsam mit Mastercard und Visa den europäischen Markt für digitale Zahlungen — genau diese Marktstellung wollen EZB und Bundesbank mit einem staatlich gestützten Gegenmodell angreifen.
Unmittelbare geschäftliche Auswirkungen auf PayPal ergeben sich daraus derzeit nicht, denn sowohl die Wero-Integration des digitalen Euro als auch dessen Einführung selbst befinden sich noch im Planungsstadium.
Die zeitliche Dimension relativiert die Brisanz. Bis 2029 bleibt PayPal ausreichend Zeit, seine Marktposition in Europa zu verteidigen oder auszubauen. Ob Wero in der Zwischenzeit genügend Nutzer außerhalb seiner drei Kernmärkte gewinnt, um zu einer echten Alternative zu werden, bleibt vorerst offen.
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