Chinas Staatsführung bereitet für den bevorstehenden Besuch von Xi Jinping im Weißen Haus eine hochkarätige Wirtschaftsdelegation vor. Auf der Liste stehen Branchengrößen wie BYD, CATL und Xiaomi – Unternehmen, die in den USA teils unter erheblichem politischem Druck stehen. Peking setzt damit auf ein kalkuliertes Manöver: Nach Donald Trumps Vorstoß, chinesischen Herstellern bei lokaler Fertigung die Rückkehr auf den US-Markt zu erlauben, sucht China den direkten Hebel für neue Investitionsvereinbarungen.

Gegenseitigkeit im Handelskrieg

Der Schritt folgt dem Prinzip der Reziprozität. Bei Trumps Besuch in Peking im Mai begleiteten den US-Präsidenten Führungskräfte von Konzernen wie Micron und Qualcomm, die in China behördlichen Hürden gegenüberstanden. Nun spiegelt Peking diese Strategie. Vorgesehen ist eine Gruppe ähnlicher Größenordnung, zu der neben den Tech-Schwergewichten auch Gotion, Hisense, die Wanxiang Group und die Bank of China gehören sollen.

Die Auswahl trifft auf ein verhärtetes regulatorisches Umfeld in Washington. BYD landete im Juni 2026 wegen angeblicher Verbindungen zum chinesischen Militär auf einer Liste des US-Verteidigungsministeriums. CATL wurde dort bereits im Januar 2025 erfasst. Auf importierte Elektroautos aus China erheben die USA unverändert einen Sonderzoll von 100 Prozent. Ab dem Modelljahr 2027 greift zudem eine US-Regel, die vernetzte Autos mit chinesischer Soft- und Hardware verbietet – selbst wenn diese auf amerikanischem Boden montiert wurden.

Hoher Wachstumsdruck außerhalb Chinas

Für die chinesischen Konzerne steht viel auf dem Spiel. Im Heimatmarkt geraten die Absätze zunehmend unter Druck: Bei BYD fielen die Inlandsverkäufe in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 um 33 Prozent. Das Auslandsgeschäft legte parallel um 86 Prozent auf mehr als 1,16 Millionen Fahrzeuge zu. Kooperationen gelten daher als Ausweg. Batterieprimus CATL lizenziert seine Technologie bereits an Ford für ein Batteriewerk im US-Bundesstaat Michigan.

An den Märkten hielt sich der Optimismus vor dem Wochenende in Grenzen:
* BYD legte an der Börse in Hongkong um 0,43 Prozent auf 81,50 Hongkong-Dollar zu.
* Xiaomi verbuchte ein Kursplus von 0,54 Prozent auf 26,28 Hongkong-Dollar.
* CATL schloss mit einem Minus von 0,39 Prozent bei 505,00 Hongkong-Dollar.

Die endgültige Zusammensetzung der Delegation soll am Wochenende beim Treffen zwischen US-Finanzminister Scott Bessent und dem chinesischen Vize-Premier He Lifeng abgestimmt werden. Ob der geplante Gipfel im Weißen Haus den Weg für Lockerungen ebnet, hängt an den Verhandlungen über Exportlizenzen für Seltene Erden und der Verlängerung des im Oktober vereinbarten Handelswaffenstillstands.