Petrobras hat am Donnerstag Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt, die die Erwartungen der Analysten deutlich übertrafen. Trotzdem reagierte der Markt verhalten – ein Muster, das sich auch im deutschen Handel zeigte. Der brasilianische Energiekonzern kombiniert operative Bestwerte mit einer neuen Ausschüttung und einer wachsenden Aufmerksamkeit für seine Beteiligung am Chemieunternehmen Braskem.

Rekordgewinn und operative Bestwerte

Das bereinigte EBITDA kletterte im zweiten Quartal auf 93,8 Milliarden Real, umgerechnet 18,4 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 80 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und lag über der Konsensschätzung von 91,3 Milliarden Real. Der Nettogewinn erreichte 52,4 Milliarden Real, rund 10,4 Milliarden Dollar – ein Anstieg um 97 Prozent im Jahresvergleich. Auch beim Ergebnis je Aktie schnitt Petrobras besser ab als erwartet: 1,38 Dollar standen einer Konsensschätzung von 1,25 Dollar gegenüber.

Getragen wurde das Ergebnis von der operativen Seite. Die Eigenproduktion erreichte mit 3,34 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag einen Rekordwert, 14,1 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Parallel dazu lag die Raffinerieauslastung bei 101 Prozent im Quartalsdurchschnitt, nach zeitweise sogar 102 Prozent in einzelnen Monaten. Die Plattform P-79 nahm im Mai die Ölförderung auf und startete bereits wenige Wochen später die Gaseinspritzung – nach Unternehmensangaben die kürzeste Zeitspanne zwischen beiden Schritten in der Firmengeschichte.

Ausschüttung mit festen Terminen

Der Verwaltungsrat billigte am Donnerstag eine Ausschüttung von 17,4 Milliarden Real als Vorgriff auf die Vergütung für das Geschäftsjahr 2026, das entspricht 1,34814262 Real je Aktie. Die Zahlung erfolgt laut Unternehmensmitteilung in zwei Tranchen: Ein erster Teil in Höhe von 0,67407131 Real je Aktie als Zinsen auf Eigenkapital wird am 23. November fällig, ein zweiter Teil aus Dividende und weiteren Zinsen auf Eigenkapital am 21. Dezember. Stichtag für an der B3 gehandelte Aktien ist der 21. August, der Handel ohne Bezugsrecht beginnt am 24. August.

Neuer Gasfund und Vertragsersparnisse

Am Montag bestätigte Petrobras einen Gasfund an der Bohrstelle Sandia-1 im Block GUA-OFF-0, rund 42 Kilometer vor der Küste in gut 1.250 Metern Wassertiefe. Es ist bereits der dritte Fund in diesem Block, an dem Petrobras mit 44,44 Prozent zusammen mit dem kolumbianischen Partner Ecopetrol beteiligt ist. Zusätzlich verwies der Konzern auf neu verhandelte Charter- und Serviceverträge, die über den Zeitraum 2026 bis 2035 mehr als eine Milliarde Dollar an Cashflow-Ersparnissen bringen sollen.

Braskem rückt in den Fokus

Ein weiteres Thema der Berichtssaison ist die Beteiligung an Braskem. Konzernchefin Magda Chambriard erklärte, Petrobras habe durch die neue Aktionärsvereinbarung mehr politischen Einfluss gewonnen und prüfe die Lage bei Braskem genau. Finanzvorstand Fernando Melgarejo ergänzte, man evaluiere sämtliche Optionen innerhalb der Aktionärsvereinbarung und stehe im Austausch mit dem Braskem-Verwaltungsrat. Eine gerichtliche Verfügung gilt bis zum 24. Oktober, als nächster wichtiger Termin gilt die Vorlage der Braskem-Zahlen am 13. August.

Aktie gibt trotz starker Zahlen nach

Trotz der übertroffenen Erwartungen fiel die Petrobras-Aktie im US-Handel am selben Tag um 2,56 Prozent auf 18,05 Dollar – ein Hinweis darauf, dass Anleger stärker auf Ausblick, Investitionsausgaben und politische Risiken schauten als auf den reinen Gewinnbeitrag. Im deutschen Handel schloss der Titel am Freitag bei 7,20 Euro, ein Rückgang um 2,77 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht die Aktie dennoch mit einem Plus von 46,84 Prozent da – ein Beleg dafür, dass die jüngste Schwäche die langfristige Kursentwicklung bislang nicht in Frage stellt.