Guilherme Santos Mello ist der neue Aufsichtsratsvorsitzende von Petrobras — und er erbt sofort ein heißes Eisen. Die Hauptversammlung vom 16. April lief formal glatt. Der eigentliche Konflikt beginnt jetzt erst.
Sauberer Übergang, klare Mehrheiten
Die Aktionäre bestätigten die Jahresabschlüsse 2025 und verabschiedeten den Investitionsplan für 2026. Der Aufsichtsrat zählt künftig elf Mitglieder. Neben Mello — früher Staatssekretär im brasilianischen Planungsministerium und Architekt von Lulas Fiskalrahmen — wurden Magda Chambriard und weitere Kandidaten per kumulativem Stimmrecht gewählt.
Die Regierung sicherte sich wie üblich sechs der elf Sitze. Minderheitsaktionäre besetzen zwei Plätze: Marcelo Gasparino und Rachel de Oliveira Maia.
114 Milliarden Real für Öl und Gas
Das Investitionsbudget für 2026 steht bei 114 Milliarden Real — fast vollständig auf Exploration und Produktion ausgerichtet. Petrobras kauft außerdem die verbleibenden 50-Prozent-Anteile an den Feldern Tartaruga Verde und Espadarte Module III von Petronas für 450 Millionen Dollar zurück. Sobald die Regulierungsbehörden zustimmen, hält Petrobras beide Campos-Basin-Assets vollständig.
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Parallel verlängert das Unternehmen Tiefwasserbohrverträge: Das Drillship Deepwater Corcovado von Transocean bleibt bis 2030 im Einsatz — rund 445 Millionen Dollar zusätzlich. Seadrills West Polaris soll das Buzios-Feld im Santos-Becken weiter erschließen.
Das Preisdilemma bleibt ungelöst
Hier liegt das eigentliche Problem. Der Rohölpreis ist seit Kriegsbeginn um mehr als 30 Prozent gestiegen. Investoren drängen auf höhere Kraftstoffpreise. Lula, der noch in diesem Jahr zur Wiederwahl antritt, will das Gegenteil.
Ein Bloomberg-Intelligence-Analyst bringt es auf den Punkt: Petrobras habe die Benzinpreise stabil gehalten, um Verbraucher vor Volatilität zu schützen — das werde sich aber ändern müssen, sobald sich die Preise auf höherem Niveau stabilisieren. Der neue Vorstandsvorsitzende muss diese Spannung aushalten, ohne eine der beiden Seiten zu verprellen.
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Hinzu kommt der politische Druck, die Raffinerie-Kapazitäten auszubauen — ein Segment, das deutlich weniger rentabel ist als das Kerngeschäft.
Proteste und Klimakritik
Vor dem Hauptsitz in Rio de Janeiro demonstrierten Zivilgesellschaftsgruppen für eine gerechte Energiewende. Der Vorwurf: Petrobras engagiere Influencer, um sein Nachhaltigkeitsimage zu polieren, und kürze gleichzeitig das Budget für erneuerbare Energien im Fünfjahresplan 2026–2030 um 20 Prozent. Das trifft den Konzern zu einem ungünstigen Zeitpunkt — Brasilien hat noch bis November die COP-Präsidentschaft inne.
An der Börse zeigte die Aktie am AGM-Tag Stärke: PETR4 legte 3,07 Prozent zu. Auf Eurobasis notiert das Papier aktuell bei 7,66 Euro — rund 54 Prozent über dem Jahresanfangsniveau, aber bereits 5,5 Prozent unter dem Jahreshoch vom 13. April.
Der Jahresgewinn 2025 von über 110 Milliarden Real gibt dem neuen Board finanziellen Spielraum. Ob Mello ihn nutzt, um Preiserhöhungen durchzusetzen oder Lulas Wahlkampf zu schonen, wird die entscheidende Frage der kommenden Monate sein.
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