Die brasilianische Staatsölfirma plant einen strategischen Schritt abseits des Kerngeschäfts. Petrobras will bis September die Bauarbeiten an ihrem Düngemittelwerk in Tres Lagoas wieder aufnehmen. Das Projekt UFN-III stand lange auf Eis. Nun signalisiert die Wiederaufnahme einen neuen Fokus auf die Fertigstellung strategischer Assets.

An der Börse läuft es derweil anders. Die Petrobras-Aktie notiert bei 6,35 Euro und verliert am Freitag 1,52 Prozent. Über die vergangenen sieben Tage summiert sich das Minus auf 9,26 Prozent, auf Monatssicht sogar auf 17 Prozent. Der RSI von 28,9 deutet auf überverkaufte Niveaus hin. Immerhin: Die Notierung liegt noch knapp vier Prozent über der 200-Tage-Linie bei 6,11 Euro.

Investitionsprogramm von 91 Milliarden Dollar

Der Düngemittel-Neustart ist kein Einzelfall. Er passt in den Konzernplan für die Jahre 2026 bis 2030. Das im November 2025 verabschiedete Programm sieht Investitionen von bis zu 109 Milliarden US-Dollar vor, umgesetzt werden sollen 91 Milliarden. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Vorsalz-Öl mit den Feldern Búzios, Mero und Tupi. Die Ölförderung soll bis 2028 auf rund 2,7 Millionen Barrel pro Tag steigen.

Parallel baut Petrobras das Geschäft mit emissionsärmeren Energien aus. Dazu gehören Raffinerie-Erweiterungen, Logistik und eben Düngemittel. Die Mischung aus Ölwachstum und Diversifikation soll langfristig tragen.

Hinzu kommt ein jüngster Finanzzufluss: Am 17. Juni erhielt Petrobras die erste Rate eines Diesel-Subventionsprogramms. 752 Millionen Real gingen ein, genug für die Zeit vom 12. bis 31. März. Die staatliche Unterstützung hilft, die Dieselpreise im Inland zu stabilisieren.

Schuldenziel von 65 Milliarden Dollar

Trotz der Ausbaupläne hält Petrobras an strikter Finanzdisziplin fest. Die Bruttoverschuldung soll bei 65 Milliarden Dollar gedeckelt werden. Die Investitionen will der Konzern aus dem laufenden Cashflow stemmen. Auch die Dividendenpolitik bleibt bestehen. Das Ziel: Wachstum ohne übermäßige Verschuldung, Ausbau im Kerngeschäft und neues Standbein bei Düngemitteln parallel. Der Baustart in Tres Lagoas ist der erste Test, ob dieser Spagat gelingt.