Pirelli steuert auf einen wichtigen Termin zu. Im Juni 2026 wählen die Aktionäre einen neuen Aufsichtsrat – und die Weichen für die künftige Führungsstruktur sind bereits gestellt. Die Aktie notierte am Freitag bei 6,33 Euro, ein Plus von 1,12 Prozent. Das Papier hat sich in den vergangenen Wochen deutlich vom 52-Wochen-Tief bei 5,52 Euro erholt, liegt aber noch knapp unter dem Jahreshoch von 6,49 Euro.
Kandidatenliste und Führungskontinuität
Camfin und MTP, die Gesellschaften von Marco Tronchetti Provera, haben eine Liste mit 15 Kandidaten für das Gremium eingereicht. Tronchetti Provera selbst kandidiert für den Vorsitz, der amtierende Vorstandschef Andrea Casaluci soll seinen Posten behalten. Zwölf der vorgeschlagenen Mitglieder sind unabhängig. Drei davon – Diacetti, Diaz della Vittoria Pallavicini und Esclapon de Villeneuve – wurden in Abstimmung mit dem Anlegerverband Assogestioni benannt. Die Zusammensetzung zeigt: Es geht um Stabilität, aber auch um eine ausgewogene Governance.
Golden Power und die Rolle von Sinochem
Das Votum fällt in eine sensible Phase. Der bisherige Aktionärspakt ist im Mai ausgelaufen. Die italienische Regierung setzt ihre „Golden Power“-Regelung fort, die den Einfluss des chinesischen Großaktionärs Sinochem begrenzt. Peking darf künftig maximal drei nicht geschäftsführende Aufsichtsratssitze besetzen. Hintergrund ist der Schutz von Pirellis Cyber-Tyre-Technologie und die operative Sicherung des wichtigen US-Marktes.
Nachhaltigkeit und Marktumfeld
Parallel zu den Governance-Debatten treibt der Reifenhersteller seine Umweltziele voran. In Nordamerika startete Pirelli mit Bolder Industries ein geschlossenes Recyclingprojekt. Altreifen werden per Pyrolyse in Industrieruß (rCB) verwandelt und in neuen Produkten wiederverwendet. Das Unternehmen will den Anteil biobasierter und recycelter Materialien weiter erhöhen.
Die Hauptversammlung im Juni entscheidet nicht nur über die neue Führungsriege, sondern auch über die vorgeschlagene Dividende von 0,34 Euro je Aktie und den Anreizplan für die Jahre 2026 bis 2028. Aktionäre dürften genau verfolgen, ob der eingeschlagene Kurs Zustimmung findet.
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