Plug Power streicht sein größtes europäisches Wasserstoffprojekt ersatzlos. Der geplante Bau einer Anlage im Hafen von Antwerpen-Brügge, mit einem Investitionsvolumen zwischen 350 und 400 Millionen Euro, ist gestorben. Die Aktie reagierte am Mittwoch dennoch mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 1,93 Euro.
Das Ende von CHYMIA
Das Projekt trug den Namen CHYMIA und sollte auf dem früheren Opel-Werksgelände entstehen. Plug Power hatte dafür 2022 eine 30-jährige Konzession mit dem Hafen unterschrieben. Geplant war eine Anlage mit 100 Megawatt Leistung, die täglich bis zu 35 Tonnen grünen und flüssigen Wasserstoff produzieren sollte.
Laut der belgischen Wirtschaftszeitung De Tijd hat das Unternehmen das Projekt nun formal abgeschrieben. In den Bilanzen taucht dafür eine Wertberichtigung von 13,6 Millionen Euro auf im Bau befindliche Anlagen auf. Als Grund nennt das Management anhaltende Unsicherheiten über die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Vorhabens und die unklare Entwicklung des europäischen Wasserstoffmarkts.
Die Konzession mit dem Hafen bleibt vorerst bestehen. Plug Power prüft nun alternative Nutzungen für die Flächen in Antwerpen. Die Hafenbehörde hält eine kleinere Version des Projekts mit reduzierten Produktionsmengen für theoretisch möglich, das ursprüngliche Megaprojekt ist damit aber endgültig vom Tisch.
Zinsdruck trifft die ganze Branche
Der Rückzug aus Belgien steht nicht isoliert da. Am Dienstag erlebten spekulative Clean-Energy- und Wasserstoffwerte einen breiten Ausverkauf. Auslöser war die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, die sich ihrem 52-Wochen-Hoch von 4,747 Prozent näherte.
Hohe Zinsen treffen kapitalintensive Sektoren gleich doppelt. Sie verteuern die Finanzierung milliardenschwerer Bauprojekte. Zusätzlich drücken sie über höhere Diskontsätze den heutigen Wert künftiger Cashflows. Wasserstoffunternehmen bauen ihre Portfolios deshalb um und konzentrieren sich zunehmend auf Projekte mit schnellerer Rendite.
Fortschritte im Kerngeschäft
Der Rückzug aus Antwerpen fällt in eine Phase operativer Verbesserungen. Am 10. August 2026 meldete Plug Power für das zweite Quartal einen Nettoumsatz von rund 178,3 Millionen Dollar, nach 174,0 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Die Bruttomarge näherte sich der Gewinnschwelle an.
Das Management hob die Umsatzwachstumsprognose für das Gesamtjahr 2026 von zuvor 13 bis 15 Prozent auf nun 15 bis 16 Prozent an. Für das vierte Quartal 2026 peilt der Vorstand ein positives EBITDAS an.
Der operative Cashflow bleibt allerdings stark negativ. Im ersten Halbjahr 2026 flossen 244,1 Millionen Dollar ab. Genau deshalb treibt Plug Power eine nicht verwässernde Monetarisierung von Vermögenswerten im Umfang von rund 275 Millionen Dollar voran und kürzt Kosten über ein internes Restrukturierungsprogramm.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Trotz des Tagesgewinns notiert die Aktie derzeit 6,6 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 2,07 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 4,04 Euro, erreicht am 6. Oktober 2025, trennen das Papier weiterhin 52 Prozent. Der RSI von 48,4 signalisiert eine neutrale Marktlage, ohne klare Richtung.
Die Streichung von CHYMIA reduziert kurzfristig den Kapitalbedarf des Unternehmens. Ob die freiwerdenden Mittel ausreichen, um die operative Wende bis zum vierten Quartal 2026 zu stützen, hängt vom Fortschritt der laufenden Monetarisierungsstrategie ab.
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