Wer auf einen satten Übernahmeaufschlag gehofft hatte, wurde am Dienstag eiskalt erwischt. Der Windparkentwickler PNE musste einräumen, dass potenzielle Käufer offenbar weniger zahlen wollen, als die Aktie derzeit an der Börse wert ist. Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend heftig aus.
Preisvorstellungen unter Börsenkurs
In einer Ad-hoc-Mitteilung stellte PNE klar, dass die von ihr initiierte Investorensuche zwar den Erwerb von bis zu 100 Prozent der Aktien umfasst — das erhaltene Marktinteresse aber darauf hindeutet, dass etwaige Erwerber unterhalb des aktuellen Kursniveaus liegen. Damit bestätigte das Unternehmen zwar einen Bericht des „Handelsblatt“, widersprach aber gleichzeitig dessen optimistischer Grundthese. Die Zeitung hatte zuvor unter Berufung auf Insider Hoffnungen auf einen deutlichen Aufschlag geweckt.
Der Kurs quittierte die Klarstellung mit einem Einbruch um etwa ein Fünftel. Zum Vergleich: Mitte Juni war die Aktie in der Spitze bis auf 11,86 Euro gestiegen — der höchste Stand seit Oktober des Vorjahres. Getrieben wurde diese Rally von Spekulationen, PNE könne bei einer Übernahme mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet werden. An der Börse ist das Unternehmen aktuell nur noch rund 670 Millionen Euro wert.
Ausgang völlig offen
Ein Insider brachte die Lage gegenüber dem „Handelsblatt“ auf den Punkt: Es würden zwar viele Gespräche mit Investoren geführt, aber der Markt sei, wie er sei — der Ausgang absolut offen. Mit konkreten Ergebnissen sei nicht vor dem Herbst zu rechnen. Ein PNE-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern.
Der Fall erinnert an eine frühere Episode: Bereits im Januar 2023 hatte die von Morgan Stanley kontrollierte Photon Management GmbH einen geplanten Verkauf ihres 48-Prozent-Anteils an PNE abgeblasen. Seitdem hat sich die Aktie mehr als halbiert. Die aktuelle Entwicklung nährt Zweifel, ob sich diesmal ein Käufer zu Konditionen findet, die Aktionäre akzeptieren würden.
Bis zum Herbst dürfte sich an der Grundunsicherheit wenig ändern. Ob sich die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern bis dahin annähern, entscheidet darüber, ob aus der Investorensuche ein Abschluss wird — oder ein weiteres Kapitel gescheiterter Übernahmegespräche.
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