Liebe Traderinnen und Trader,
Porsche präsentiert am Mittwoch auf seinem Kapitalmarkttag die neue Strategie „Sportwagenschmiede ’35“. Das Wochenende hat dem Autotermin Kontext geliefert: Renault-Chef François Provost sagte am Samstag im Sender France Inter mehr als 10 Milliarden Euro für E-Autos in Frankreich zu.
Dazu kommen am Mittwoch die US-Öllagerdaten um 16:30 Uhr und das Fed-Protokoll um 20:00 Uhr sowie am Freitag das Trading-Update der OMV. Nach einer Woche mit leichten Verlusten schloss der DAX am Freitag oberhalb von 25.200 Punkten. Ich sortiere die Termine danach, was sie für Ihre Positionen auslösen können.
Porsche und Mercedes: Kapitalmarkttag am Mittwoch, Pre-Close-Call am Donnerstag
Bei den Autowerten entscheidet diese Woche die Nachfrage, nicht der Strategietitel. Der Kapitalmarkttag von Porsche am Mittwoch steht unter der Überschrift „Sportwagenschmiede ’35“. Mercedes-Benz hält am Donnerstag um 17:30 Uhr den Pre-Close-Call zum dritten Quartal, also das Analystengespräch vor den Zahlen. Am Montag veröffentlicht das Kraftfahrtbundesamt die Neuzulassungen für August.
Renault liefert die Vorlage. Nach Angaben von Konzernchef Provost machten E-Autos im September mehr als vier von zehn Neuzulassungen in Frankreich aus, ein Rekord. Die Nachfrage sei seit Beginn des Iran-Kriegs mit den höheren Spritpreisen gewachsen. Renault baute 2025 rund 500.000 Autos in Frankreich und will 2026 mindestens ein Viertel mehr fertigen, nach 13 Milliarden Euro Investitionen in den vergangenen fünf Jahren.
Die Mechanik dahinter ist simpel. Wenn Kraftstoff teurer wird, verschiebt sich die Nachfrage zu Stromern, weil die laufenden Kosten in der Kaufentscheidung schwerer wiegen. Für Trader zählt am Mittwoch deshalb weniger die Jahreszahl im Strategienamen als die Frage, ob Porsche den Nachfrageschub, den Renault für Frankreich beschreibt, für Sportwagen bestätigt oder relativiert.
Ob Porsche den Nachfrageschub bestätigt, ist nur eine Frage unter vielen, denn auch abseits der Sportwagen lohnt der Blick auf heimische Schwergewichte. Ein Report analysiert drei deutsche Unternehmen aus Immobilien, Maschinenbau und Premium-Automobil und zeigt, welche davon im aktuellen Rendite-Wettbewerb die Nase vorn haben könnten. Drei deutsche Giganten kennenlernen – gratis
Fed-Protokoll: Mittwoch, 20:00 Uhr
Das Zinsrisiko kommt diese Woche nach Börsenschluss. Die Fed veröffentlicht am Mittwoch um 20:00 Uhr das Protokoll ihrer Sitzung vom 15. und 16. September. Weil das nach Xetra-Schluss liegt, kann der DAX erst am Donnerstag darauf reagieren.
Nach dem schwachen US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag preist der Terminmarkt eine weitere Anhebung im Oktober kaum noch ein. Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack, früh eine Befürworterin höherer Zinsen, sagte im Sender PBS NewsHour, der September-Bericht passe zum Trend.
Im Schnitt der vergangenen zwölf Monate entstanden 41.000 Stellen pro Monat, was laut Hammack dem Niveau für einen stabilen Arbeitsmarkt entspricht. Vor der Sitzung noch in diesem Monat sieht sie Zeit, weitere Daten abzuwarten.
Für Wachstumswerte ist das die entscheidende Stellschraube. Wenn die Zinserwartungen steigen, geraten hoch bewertete Titel unter Druck, weil künftige Gewinne stärker abgezinst werden.
Genau diese Gefahr beschreibt Reuters für das vierte Quartal: Steigende Anleiherenditen bedrohen die Saisonstärke, und der S&P 500 schloss am Freitag rund 1 Prozent unter seinem Rekord von Mitte August. Der Hebel liegt in der Lücke zwischen dem, was der Terminmarkt einpreist, und dem, was das Protokoll als Hürde für eine Pause zeigt.
EIA und OMV: Lagerdaten am Mittwoch, Trading-Update am Freitag
Am Ölmarkt zählt die Logistik mehr als die Förderquote. Die OPEC+ um Saudi-Arabien und Russland hat am Sonntag beschlossen, ihre Förderziele für November nicht anzuheben. Die Entscheidung ändert wenig, denn die Golfproduzenten fördern laut Reuters deutlich unter ihren Zielen; ihre Exporte schwanken zwischen 60 und 80 Prozent des Normalniveaus.
Am Wochenende wurden in der Straße von Hormus zwei Tanker getroffen, am Sonntag mit Schäden am Maschinenraum, wie die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO meldete. Die Huthi-Miliz reklamiert zudem Angriffe auf zwei Aramco-Anlagen in Riad und Churais; eine Bestätigung von Aramco fehlt bislang. Brent und WTI bewegten sich zuletzt wieder in Richtung 100 Dollar je Fass, Diesel kostet an den Zapfsäulen Rekordpreise.
Wenn Lagerbestände fallen, während Fracht teurer und Tanker knapper werden, steigt der Preis für sofort verfügbares Öl, weil Käufer die Umwege nicht abwarten können. Darum zählt der Lagerbericht der US-Energiebehörde EIA am Mittwoch um 16:30 Uhr für Öl-Positionen. Am Freitag um 07:30 Uhr legt die OMV ihr Trading-Update zum dritten Quartal vor, eine Zahlenbasis aus Europa für das Quartal des Preisschocks.
Bayer und Boeing: Werk in Ohio, Rückenwind von der FAA
Zwei Einzelwerte haben Nachrichten für die neue Woche im Gepäck. Bayer investiert 2,2 Milliarden Dollar in ein neues Pharmawerk in New Albany im US-Bundesstaat Ohio. Rund 600 Arbeitsplätze sollen entstehen, das erste Modul für Wirkstoffe soll 2031 laufen, zunächst für Onkologie, Herz-Kreislauf und Nieren. Die Bayer-Aktie schloss am Freitag bei knapp 45 Euro.
Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat Medienberichten zufolge ein Softwareproblem bei bestimmten 737-Max-Jets als nicht sicherheitsrelevant eingestuft. Damit fällt für Boeing eine Hürde auf dem Weg zur Zulassung der 737 Max 10, des größten Modells der Familie.
Rekordpreise für Öl auf der einen, Milliardeninvestitionen in die Gesundheitsbranche auf der anderen Seite: Die Wachstumsthemen der Börse liegen derzeit breit gestreut. Top-Analyst Mike Rückert stellt in seinem PDF-Sonderreport fünf Aktien aus Bereichen wie Energie, Gesundheit und Hightech vor, denen er für 2026 das größte Renditepotenzial zutraut. Fünf Aktien-Empfehlungen sichern
Bitcoin: Stillstand bei 84.700 Dollar, Dreifach-Hebel in der Warteschleife
Krypto geht ohne Richtungssignal in die Woche. Bitcoin stand am Samstagabend bei rund 84.700 Dollar, seit Freitag praktisch unverändert und auf Wochensicht knapp ein Prozent höher. Ether notierte am Samstagabend bei knapp 2.690 Dollar, seit Freitag ein Plus von 0,7 Prozent.
Bewegung gibt es bei den Produkten. Die US-Börsenaufsicht SEC hat am Freitag eine Regeländerung der Cboe BZX genehmigt, die sechs dreifach gehebelte börsengehandelte Produkte von Volatility Shares erlaubt. Sie zielen auf das Dreifache der Tagesbewegung von Bitcoin, Ether, Gold, Silber, Rohöl und Erdgas; die Krypto-Varianten laufen über Terminkontrakte. Handelbar sind sie noch nicht, die Registrierung steht aus.
Marschroute
Die Leitfrage der Woche entscheidet sich am Mittwoch: Bestätigt Porsche den Nachfrageschub, den Renault für Frankreich beschreibt? Am selben Mittwoch folgen um 16:30 Uhr die EIA-Lagerdaten und um 20:00 Uhr das Fed-Protokoll, auf das der DAX erst am Donnerstag reagieren kann. Mercedes-Benz spricht am Donnerstag um 17:30 Uhr, die OMV legt am Freitag um 07:30 Uhr vor.
Die Ausgangsmarken: der DAX oberhalb von 25.200 Punkten, Brent in Richtung 100 Dollar, der S&P 500 rund 1 Prozent unter seinem Rekord, Bitcoin um 84.700 Dollar. Für mich ist der Mittwoch der wichtigere Tag: Öl und Zinsen zugleich.
Das Wochenende geht zu Ende, ab Montag sprechen wieder die Orderbücher.
Gute Trades,
Ihr Andreas Sommer
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