Gleich fünf Technologie- und Digitalwerte senden am heutigen Dienstag synchron charttechnische Kaufsignale. Prosus springt dabei mit fast zehn Prozent Tagesplus besonders ins Auge. Auch Nemetschek, United Internet, Redcare Pharmacy und Wolters Kluwer durchbrechen wichtige Durchschnittslinien. Ein Blick auf die einzelnen Setups zeigt, wie unterschiedlich die Ausgangslage hinter den Signalen ist.
Prosus: MACD-Kreuzung trifft auf Erholungsrallye
Die Beteiligungsgesellschaft liefert heute das auffälligste Bild im Quintett. Mit einem Tagesplus von knapp 9,7 % auf 42,79 € katapultiert sich Prosus über den 20-Tage-Durchschnitt und generiert gleichzeitig ein bullisches MACD-Kreuzungssignal. Die Kombination aus Oszillator und Trendfolger gilt als besonders aussagekräftig.
Allerdings relativiert der Blick auf den Gesamttrend die Euphorie. Seit Jahresbeginn notiert die Aktie noch rund 21 % im Minus, und der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei über 50 €, also gut 15 % über dem aktuellen Kurs. Der RSI kletterte mit 87,3 bereits in den überkauften Bereich — ein Warnsignal für kurzfristige Rücksetzer.
Die Hintergrundgeschichte bei Prosus dreht sich weiter um die Frage, wie schnell das Management den Abschlag zum Nettoinventarwert durch Aktienrückkäufe verkleinern kann. Dass die Tencent-Beteiligung den Kurs dominiert, bleibt das zentrale Strukturmerkmal. Die heutige Chartbewegung zeigt immerhin: Käufer übernehmen nach Wochen des Drucks wieder das Ruder.
United Internet: Doppelter SMA-Durchbruch als Trendwende-Signal
Der Telekommunikationsanbieter durchbricht heute sowohl den 20- als auch den 50-Tage-Durchschnitt. Solche doppelten SMA-Breakouts signalisieren, dass eine Konsolidierungsphase formal beendet ist. Der Kurs liegt mit 27,74 € nun oberhalb beider gleitender Linien — ein Setup, das Trendfolge-Algorithmen typischerweise als Einstiegspunkt interpretieren.
Im Unterschied zu den meisten Titeln in diesem Ranking steht United Internet auf Jahressicht mit nur 1,6 % im Minus vergleichsweise stabil da. Der 200-Tage-Durchschnitt bei knapp 27 € wurde bereits nach oben verlassen. Das operative Kernthema bleibt der 5G-Netzausbau der Tochter 1&1. Die hohen Investitionskosten waren lange ein Belastungsfaktor für die Bewertung, scheinen nun aber eingepreist.
Ein RSI von 59 deutet auf moderates Momentum hin — weder überhitzt noch ausgereizt. Für ein nachhaltiges Kaufsignal wäre ein Halten über der 50-Tage-Linie bei 27,12 € in den kommenden Sitzungen entscheidend.
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Redcare Pharmacy: Bodenbildung nach 60 Prozent Absturz?
Kaum eine Aktie im deutschen Technologie-Umfeld hat so viel Porzellan zerschlagen wie Redcare Pharmacy. Vom 52-Wochen-Hoch bei 117,30 € im Juni 2025 ging es bis auf 31 € im März 2026 — ein Verlust von über 73 %. Vor diesem Hintergrund gewinnt der heutige Doppel-Breakout über SMA20 und SMA50 besondere Bedeutung.
Die Online-Apotheke notiert bei 46,90 € und hat sich damit gut 51 % vom Tief gelöst. Die entscheidende Frage: Handelt es sich um eine nachhaltige Bodenbildung oder lediglich eine Bärenmarktrallye?
Einige Indizien sprechen für ersteres:
- Der 50-Tage-Durchschnitt bei 43,58 € dient nun als Unterstützung
- Die Wochenperformance von 7,5 % zeigt steigendes Kaufinteresse
- Der RSI notiert mit 49,2 im neutralen Bereich — Luft nach oben besteht
Die hohe annualisierte Volatilität von über 50 % mahnt gleichzeitig zur Vorsicht. Im E-Rezept-Markt bleibt die regulatorische Dynamik ein Kursbeeinflussungsfaktor, der charttechnische Signale schnell überlagern kann.
Nemetschek: Bausoftware-Spezialist testet die Wende
Auch Nemetschek reiht sich mit einem Doppel-Breakout über SMA20 und SMA50 in die heutige Kaufsignal-Liste ein. Der Bausoftware-Anbieter legt heute 2,3 % auf 69,25 € zu und zeigt auf Wochensicht ein Plus von knapp 9 %. Seit dem April-Tief bei 57,60 € hat sich der Kurs um über 20 % erholt.
Die charttechnische Situation verdient genauere Betrachtung. Nemetschek hat sich innerhalb weniger Wochen sowohl über den kurzfristigen als auch den mittelfristigen Durchschnitt gearbeitet — und notiert nun erstmals seit Längerem wieder oberhalb des 100-Tage-Durchschnitts von 67,72 €. Der RSI bei 85,5 signalisiert allerdings eine kurzfristige Überhitzung. Ähnlich wie bei Prosus könnte eine Verschnaufpause folgen, bevor der nächste Aufwärtsimpuls einsetzt.
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Fundamental profitiert Nemetschek von der Digitalisierung der Baubranche. Das Subskriptionsmodell liefert wiederkehrende Einnahmen und glättet die Ertragsvolatilität, die man bei einem konjunktursensiblen Umfeld erwarten würde. Ob institutionelle Investoren die aktuelle Schwäche tatsächlich für Positionsaufbau nutzen, ließe sich an überdurchschnittlichem Handelsvolumen ablesen.
Wolters Kluwer: Defensivwert mit neuem Momentum
Den Abschluss bildet Wolters Kluwer mit einem MACD-Kreuzungssignal und SMA20-Breakout — exakt das gleiche Signalpaar wie beim Spitzenreiter Prosus. Bei einem traditionell defensiven Qualitätswert wie Wolters Kluwer ist ein solches Momentum-Signal ungewöhnlich und verdient besondere Aufmerksamkeit.
Die Aktie notiert bei 64,66 €, nur knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt. Die langfristige Perspektive zeigt allerdings tiefe Narben: Vom 52-Wochen-Hoch bei 157,05 € hat sich der Kurs fast 59 % entfernt. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 27 % zu Buche.
Der Informationsdienstleister für Recht, Wirtschaft und Steuern setzt zunehmend auf KI-gestützte Expertenlösungen. Am Markt wird das positiv aufgenommen, die Margen bleiben stark. Dass ausgerechnet ein so stetiger Wert nun charttechnische Kaufsignale sendet, könnte auf eine Reakkumulation nach dem kräftigen Kursrückgang hindeuten. Der moderate RSI von 57,2 lässt — anders als bei Prosus oder Nemetschek — noch Spielraum nach oben.
Fünf Signale, sehr verschiedene Risikoprofile
Was verbindet die fünf Titel? Alle haben am heutigen Handelstag mindestens zwei charttechnische Kaufsignale generiert, darunter Durchbrüche über gleitende Durchschnittslinien oder bullische MACD-Kreuzungen. Die Konstellation aus zwei sich bestätigenden Indikatoren erhöht statistisch die Trefferquote gegenüber Einzelsignalen.
Die Unterschiede sind dennoch erheblich:
- Prosus und Nemetschek zeigen RSI-Werte über 85 — kurzfristige Überhitzung ist wahrscheinlich
- Redcare Pharmacy kommt von einem dramatischen Absturz und hat die höchste Volatilität im Quintett
- United Internet präsentiert das ausgeglichenste technische Profil mit moderatem RSI und geringer Fallhöhe zum 200-Tage-Schnitt
- Wolters Kluwer bietet als defensiver Wert den niedrigsten RSI, liegt aber am weitesten unter dem 200-Tage-Durchschnitt
Technische Signale sind Momentaufnahmen. Sie beschreiben veränderte Marktdynamik, garantieren aber keine Fortsetzung. Gerade bei Titeln mit extremen RSI-Werten lohnt ein kritischer Blick auf das Handelsvolumen der kommenden Tage — erst steigende Umsätze würden die Nachhaltigkeit der Bewegungen untermauern.
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