Die kanadische Energieprovinz Alberta hat Plänen für eine Abspaltung eine deutliche Absage erteilt. In einem richtungsweisenden Referendum sprachen sich ersten Prognosen zufolge mehr als 76 Prozent der Wähler für den Verbleib im Staatsverband aus. Damit bleibt die rohstoffreichste Region des Landes fest in Kanada verankert.
Die Abstimmung am Montag befasste sich mit der Frage, ob die Regionalregierung ein verbindliches Referendum über eine staatliche Trennung vorbereiten sollte. Kanadas Premierminister Mark Carney sprach von einer Entscheidung für das gesamte Land. Albertas Premierministerin Danielle Smith begrüßte das Votum für eine starke Provinz in einem geeinten Kanada.
Konflikt um Energie und Klimavorgaben
Hinter den Unabhängigkeitsbestrebungen stehen seit Jahren spürbare Spannungen zwischen der Region und der Bundespolitik. Die Provinz mit ihren rund fünf Millionen Einwohnern gilt als Zentrum der nationalen Förderung von Erdöl und Erdgas. Vor allem die riesigen Ölsandvorkommen bilden das wirtschaftliche Fundament der Region.
Befürworter einer Abspaltung werfen der Führung in Ottawa vor, den wirtschaftlichen Beitrag Albertas zu ignorieren und die Provinz politisch zu benachteiligen. Insbesondere Vorgaben für die Energiebranche und CO2-Abgaben gelten Kritikern vor Ort als Belastung für die heimische Industrie. Trotz des eindeutigen Abstimmungsergebnisses kündigten Unabhängigkeitsbefürworter an, ihre Kampagnen fortzusetzen.
Politischer Druck in den Provinzen
Abspaltungsdebatten prägten die kanadische Politik in der Vergangenheit bereits mehrfach, konzentrierten sich bisher jedoch auf die Provinz Quebec. Dort ging Anfang Oktober die separatistische Parti Québécois als stärkste Kraft aus der Regionalwahl hervor. Während entsprechende Umfragen auch dort aktuell keine Mehrheit für eine Trennung signalisieren, sorgt der Urnengang im Westen des Landes für verlässliche Verhältnisse.
Die zuständige Wahlbehörde will das endgültige Ergebnis der Abstimmung am 29. Oktober veröffentlichen. Bis zu diesem formellen Abschluss zeichnet sich ab, dass der Vorstoß für einen rechtlichen Trennungsprozess an der breiten Ablehnung der Bevölkerung gescheitert ist.


