Inmitten einer Phase erhöhter Volatilität im globalen Chipsektor konkretisiert das Halbleiterunternehmen PSMC seine Ambitionen auf dem indischen Subkontinent. In enger Partnerschaft mit Tata Electronics treibt das Unternehmen den Aufbau der ersten großflächigen Chipfabrik Indiens in Dholera, im Bundesstaat Gujarat, voran. Die strategische Ausrichtung des Projekts wurde nun angepasst, um einen schrittweisen Einstieg in die Fertigung zu ermöglichen und technologische sowie finanzielle Risiken zu minimieren.
Strategischer Einstieg in Dholera
Das Gemeinschaftsprojekt in Dholera stellt einen Eckpfeiler der indischen Bemühungen dar, eine eigenständige Halbleiter-Infrastruktur aufzubauen. Das Gesamtinvestitionsvolumen für dieses Vorhaben beläuft sich auf rund 10,7 Milliarden US-Dollar. Ursprünglich war geplant, die Fertigung direkt mit der 28-Nanometer-Technologie (nm) zu beginnen. Berichte zeigen jedoch, dass sich die Partner nun für einen stufenweisen Ansatz entschieden haben.
Der kommerzielle Betrieb der Anlage wird nach aktuellen Planungen für Mitte 2028 angestrebt. In der ersten Phase soll der Fokus auf ausgereiften Knotentechnologien wie 90nm und 55nm liegen. Diese Entscheidung reflektiert eine vorsichtigere Herangehensweise, um die komplexen Fertigungsprozesse stabil aufzubauen, bevor der Übergang zu technologisch anspruchsvolleren 28nm-Strukturen erfolgt. Die indische Regierung unterstützt dieses Vorhaben massiv: Im Rahmen der India Semiconductor Mission (ISM 2.0) werden Subventionen von etwa 50 Prozent der Projektkosten bereitgestellt, während der Bundesstaat Gujarat zusätzliche Fördermittel von bis zu 40 Prozent beisteuert.
Fokus auf ausgereifte Knotentechnologien
Trotz des weltweiten Fokus auf Spitzenforschung und immer kleinere Strukturbreiten bleibt die Nachfrage nach sogenannten „Mature Nodes“ hoch. Marktdaten von Omdia unterstreichen, dass über 80 Prozent der weltweit produzierten Chips auf Technologien von 28nm oder darüber basieren. Diese Bauteile sind essenziell für die Automobilindustrie, Haushaltsgeräte sowie industrielle Anwendungen.
PSMC und Tata Electronics zielen mit ihrer Produktion in Dholera genau auf dieses Marktsegment ab. Der indische Halbleitermarkt, der für den Zeitraum 2024 bis 2025 auf 45 bis 50 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, könnte bis zum Jahr 2030 auf ein Volumen von 100 bis 110 Milliarden US-Dollar anwachsen. Durch die Konzentration auf bewährte Technologien will PSMC eine stabile Basis in einem der am schnellsten wachsenden Technologiemärkte der Welt schaffen.
Halbleitersektor im Zeichen der Korrektur
Die Fortschritte in Indien fallen in eine Zeit, in der der globale Halbleitermarkt unter erheblichem Druck steht. Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) ist zuletzt in einen technischen Bärenmarkt eingetreten und verzeichnete Rückgänge von bis zu 24 Prozent gegenüber seinen Höchstständen. Analysten von JPMorgan bewerten die aktuelle Korrektur jedoch eher als eine Kapitalumschichtung innerhalb des Marktes und weniger als eine Verschlechterung der fundamentalen Daten.
Während Branchengrößen wie TSMC und Samsung trotz Rekordgewinnen im zweiten Quartal 2026 Kursverluste hinnehmen mussten, bleibt der langfristige Ausblick für die Branche durch den anhaltenden Bedarf an KI-Infrastruktur und industrieller Digitalisierung positiv. Experten erwarten, dass Engpässe bei DRAM- und NAND-Speichern aufgrund von Kapazitätsbeschränkungen bis weit in das Jahr 2028 anhalten könnten. Vor diesem Hintergrund positioniert sich PSMC durch den Kapazitätsaufbau in Indien für den nächsten Aufschwung im globalen Halbleiterzyklus.
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