Liebe Börsenfreundinnen und Börsenfreunde,
am Rohstoffmarkt tauschen Gold und Öl gerade die Rollen. Gold und Silber fallen auf den tiefsten Stand seit November 2025. Zugleich melden Exxon, Chevron und BP die stärksten Quartale seit Jahren. Dahinter stehen dieselben zwei Kräfte: Ölpreise auf April-Hoch und eine Fed, die im Dezember eher erhöht als senkt.
Das ist keine Randnotiz. Hier verschiebt sich, was im Depot als sicherer Hafen gilt. Dazu kommen ein Amazon, das glänzend verdient und trotzdem Geld verbrennt, und der größte Krypto-Diebstahl der Geschichte.
Gold verliert gegen den Zins
Für Edelmetall-Anleger ist dieser Oktober bitter. Gold verliert im Monat rund 5 Prozent. Silber trifft es härter, es steuert auf ein Monatsminus von über 16 Prozent zu.
Warum gerade jetzt? Der Auslöser ist die Zinsseite. Die US-Notenbank Fed ließ den Leitzins am Mittwoch zwar unverändert, doch zwei Mitglieder stimmten für eine Erhöhung. Die Terminmärkte preisen eine Erhöhung im Dezember inzwischen mit rund 75 Prozent ein. Sie halten sie also für ziemlich wahrscheinlich.
Gold und Silber werfen keine Zinsen ab und leiden darunter direkt. Das trifft auch die Förderer. Gold Fields notiert im deutschen Handel deutlich tiefer.
Die Ölkonzerne verdienen am Diesel
Auf der anderen Seite stehen die Ölmultis, und die liefern ab. Chevron verdiente im dritten Quartal 9,9 Milliarden Dollar nach 3,5 Milliarden im Vorjahr. Der Treiber war das Raffineriegeschäft. Die Chevron-Aktie markierte heute im deutschen Handel ein neues Hoch.
ExxonMobil verdoppelte den Nettogewinn. Erstmals seit Jahren übertraf die Raffineriesparte das Fördergeschäft. Exxon hebt die Dividende im 44. Jahr in Folge an. BP meldete beim bereinigten Gewinn ein 18-Jahres-Hoch.
Woher kommt das viele Geld? Nicht aus dem Ölpreis allein, sondern aus der Knappheit bei Diesel und Kerosin. Erzeugt hat sie rund 10 Prozent stillgelegter Raffineriekapazität in Russland und Nahost. Solange die Ölsorte Brent nahe 118 Dollar notiert, bleibt diese Marge intakt, doch sie ist eine Kriegsprämie und keine Dauerlösung.
Kupfer ja, Eisenerz nein
Rohstoff ist nicht gleich Rohstoff, das zeigen die Bergbauwerte. Teck Resources verdiente bereinigt 1,88 Dollar je Aktie, erwartet waren nur 1,49 Dollar. Zudem senkte Teck die Stückkosten für Kupfer und Zink.
Vale dagegen enttäuschte. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen sank um 20 Prozent, die Eisenerzproduktion verfehlte die Erwartungen. Der erzielte Eisenerzpreis fiel, während die Kosten stiegen. Wer Rohstoffe im Depot hält, sollte also nicht pauschal auf den Sektor setzen, sondern auf die Metalle, die von Elektrifizierung und Rechenzentren getragen werden.
Amazon verdient prächtig und verbrennt trotzdem Geld
Amazon zeigt, wie zwiespältig Rekordzahlen sein können. Der operative Gewinn sprang um 61 Prozent, die Marge erreichte mit 13,9 Prozent einen Rekord. Die Amazon-Aktie fiel nachbörslich trotzdem deutlich. Heute hat sie sich im deutschen Handel mehr als erholt.
Wo liegt dann das Problem? Beim freien Cashflow, also dem Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt. Er kippte auf minus 42,4 Milliarden Dollar, nach plus 14,8 Milliarden im Vorjahr. Konzernchef Jassy bestätigte seine gewaltigen Investitionspläne für 2026 und kündigte für 2027 deutlich mehr an.
Der Markt trennt jetzt zwischen Konzernen, die ihre KI-Ausgaben aus dem laufenden Cashflow stemmen, und solchen, die dafür Schulden aufnehmen müssen. Bei Alphabet fiel das Kurs-Gewinn-Verhältnis laut TipRanks-Daten auf 14,6, den tiefsten Stand seit 2012. Diese Kennzahl zeigt, wie viele Jahresgewinne der Börsenwert kostet. Den Beweis, dass die Investitionen Umsatz bringen, erwartet Dan Ives aber erst 2027.
Wie Anleger die Kursreaktionen von Aktien direkt nach Quartalszahlen für kurzfristige Trades nutzen können, zeigt Bernd Wünsche im Live-Webinar „Quartals-Rally-Trading“. Die Reaktion von Amazon und Chevron auf ihre jüngsten Zahlen zeigt, wie stark einzelne Kennziffern einen Kurs binnen Stunden bewegen können – genau dieses Muster hat Wünsche systematisch untersucht. Er hat über 500 Aktien aus S&P 500 und Nasdaq 100 auf acht Quartale rückwirkend geprüft und dabei 11 Werte identifiziert, die nach Zahlen in mindestens sechs von acht Fällen deutlich nach oben sprangen. Am Beispiel Seagate zeigt er, wie aus zwei Quartalsüberraschungen Kursgewinne von 10 und 18 Prozent wurden, mit Hebel wären daraus in jeweils drei Tagen 52 beziehungsweise 90 Prozent geworden. Am Sonntag, den 01.11.2026, um 18:00 Uhr erläutert Wünsche sein Sofort-Trade-Muster aus Kauf vor und Verkauf nach den Zahlen. Jetzt kostenlos zum Webinar „Quartals-Rally-Trading“ anmelden
Binance und der größte Krypto-Diebstahl
Hacker haben bei Binance gestern Abend binnen 20 Minuten Coins im Wert von 6,3 Milliarden Dollar erbeutet. Es ist der größte Krypto-Diebstahl der Geschichte. Mehrere Analysefirmen, darunter Chainalysis und Elliptic, sehen Nordkoreas Hackereinheit TraderTraitor als Urheber.
Bekommen die Kunden ihr Geld zurück? Binance stellt dafür 6,34 Milliarden Dollar an eigenen Unternehmensmitteln bereit. Rund 3 Milliarden Dollar wurden eingefroren, unter anderem durch Tether und Circle. Auszahlungen hat Binance gestoppt, sie sollen aber bald wieder laufen.
Der Markt reagierte mit Zwangsverkäufen von Anlegern, die auf Kredit auf steigende Kurse gesetzt hatten. Bitcoin fiel auf ein Sechs-Wochen-Tief um 77.000 Dollar und verbucht erneut eine Verlustwoche. Beruhigend ist, dass Binance den Schaden aus eigener Kasse decken kann. Beunruhigend ist, dass die größte Kryptobörse der Welt über einen kompromittierten Techniker-Laptop angreifbar war.
Was jetzt zählt
Am Dienstag, 3. November, wählen die USA das Repräsentantenhaus und einen Teil des Senats neu, die Ergebnisse kommen Mittwochfrüh. Analysten warnen vor Schwankungen durch die US-Politik und vor einer möglichen Eskalation gegenüber Iran. Die würde den Ölpreis weiter treiben. Dazu legen Bayer am Dienstag sowie BMW und die Telekom Zahlen vor, am Freitag folgt der US-Arbeitsmarktbericht.
Entscheidend wird, ob die Raffineriemarge der Ölkonzerne hält und ob sich die Erwartung einer Zinserhöhung im Dezember festsetzt. Außerdem muss sich zeigen, ob Big Tech nach dem Oktober-Ausverkauf einen Boden findet. Gönnen Sie sich zwei Tage ohne Kurstafel, am Montag sortieren wir weiter.
Viele Grüße vom Treff, Ihr Andreas Sommer
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