Für Reliance Industries rückt heute die Ertragskraft der übrigen Konzernbereiche neben der Jio-Beteiligung in den Mittelpunkt. Das erfolgreiche Börsendebüt von Jio Platforms macht deren Wert sichtbarer. Es beantwortet aber nicht die Frage nach der Bewertung des gesamten Konzerns. Die für den 30.10.2026 angekündigten Quartalszahlen werden deshalb zum nächsten Prüfstein. Nuvama erwartet deutlich steigende Gewinne.
Erwartungen an das operative Geschäft
Nuvama prognostiziert für das zweite Quartal des Geschäftsjahres FY27 einen Anstieg des Konzern-EBITDA um 17% auf ₹53.700 crore. Die Kennzahl beschreibt das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.
Entscheidend ist dabei nicht allein das Telekomgeschäft. Für Reliance zählen ebenso die Entwicklung im Einzelhandel, das Öl- und Chemiegeschäft O2C sowie Fortschritte bei New Energy. Eine eigenständige Börsenbewertung von Jio ersetzt daher keine Beurteilung dieser Aktivitäten.
Beim Gewinn nach Steuern rechnet Nuvama mit einem Zuwachs von 15% auf ₹20.900 crore. Für das O2C-Geschäft erwartet das Analysehaus ein besonders kräftiges Ergebniswachstum.
Damit richtet sich der Blick auf die Frage, wie breit die erwartete Verbesserung getragen wird. Ein stärkeres Öl- und Chemiegeschäft könnte neben Jio einen weiteren Ergebnisbeitrag liefern. Die Prognosen sind allerdings noch keine gemeldeten Geschäftszahlen.
Konkret erwartet Nuvama beim O2C-EBITDA einen Anstieg um 38% auf ₹20.700 crore. Das Analysehaus bestätigt seine Kaufempfehlung für Reliance mit einem Kursziel von ₹1.766.
Jio-Wert wird sichtbar, Abschlag bleibt möglich
Reliance hält rund zwei Drittel an Jio Platforms. Dessen heutiger Börsenstart schafft einen eigenständigen Marktpreis für die Beteiligung. Laut Reuters debütierte Jio mit einem Aufschlag von 21% auf den Ausgabepreis.
Für Reliance-Aktionäre bedeutet diese zusätzliche Transparenz jedoch nicht automatisch eine entsprechende Neubewertung. Medienberichten zufolge sehen Analysten weiterhin die Möglichkeit eines Holdingabschlags. Die anderen Geschäftsbereiche und deren Investitionsbedarf bleiben eigenständige Bewertungsfaktoren.
Die Reliance-Aktie verliert heute -3,2%; das erfolgreiche Jio-Debüt verhindert damit keinen Rückgang beim Mutterkonzern. Aus dieser Kursentwicklung allein lässt sich allerdings nicht ableiten, welchen Abschlag Anleger den einzelnen Konzernteilen beimessen.
Für die Bewertung von Reliance bleiben somit operative Ergebnisse und Projektfortschritte maßgeblich. Bei Jio stehen dagegen unter anderem Tariferhöhungen, Breitbandwachstum und die Monetarisierung des Mobilfunkgeschäfts im Fokus. Beide Aktien bilden damit unterschiedliche Chancen und Risiken ab.
Finanzierung steht ebenfalls auf der Tagesordnung
Reliance teilte gestern mit, dass der Vorstand am 30.10.2026 die ungeprüften Einzel- und Konzernzahlen prüfen und genehmigen soll. Sie betreffen das zweite Quartal des Geschäftsjahres FY27 und das Halbjahr bis zum 30. September.
Parallel erwägt der Vorstand eine Mittelaufnahme über börsennotierte, rückzahlbare nicht wandelbare Schuldverschreibungen. Vorgesehen ist eine mögliche Privatplatzierung besicherter oder unbesicherter Papiere in einer oder mehreren Tranchen. Betrag und Konditionen sind offen.
Nach der Sitzung ist ein Analystengespräch vorgesehen. Neben dem Abgleich mit Nuvamas Gewinnerwartungen dürften damit auch die mögliche Finanzierung und die Entwicklung der einzelnen Geschäftsbereiche Aufmerksamkeit erhalten. Der entscheidende Bewertungsmaßstab für Reliance bleibt breiter als der Börsenwert seiner Jio-Beteiligung.
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