Renault setzt auf technologische Spitzenwerte, um sich im schwierigen Marktumfeld der europäischen Automobilindustrie zu behaupten. Das Gemeinschaftsunternehmen Horse, ein Joint Venture mit Geely, präsentierte mit dem „Amorfo“-Motor einen Antrieb, der im Labor einen Wirkungsgrad von 98,2 Prozent erreicht. Dieser technologische Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem operative Rückschläge bei den neuen Volumenmodellen das Vertrauen der Anleger fordern.

Technologischer Sprung durch amorphe Stähle

Der neu vorgestellte Elektromotor nutzt Stator-Bleche aus amorphem Stahl, die mit lediglich 0,025 Millimetern extrem dünn gefertigt sind. Diese Bauweise halbiert die internen Energieverluste nahezu. Mit einer Leistung von 190 PS ist das System primär als Range-Extender oder für Hybridfahrzeuge vorgesehen.

Experten beziffern die potenzielle Verbrauchsreduzierung bei Hybridmodellen auf etwa ein Prozent. Während die technischen Daten mit einem Drehmoment von 360 Nm überzeugen, steht ein konkreter Termin für den Start der Serienproduktion noch aus. Die Entwicklung ist Teil der umfassenden „futuREady“-Strategie, die bis 2030 den vollständigen Übergang zu elektrifizierten Antrieben in Europa vorsieht.

Qualitätsmängel belasten neue Elektromodelle

Trotz der Innovationskraft kämpft der Konzern mit Problemen bei der Qualitätssicherung. Ein Produktionsfehler bei zugelieferten Batteriezellen zwingt Renault zu einem Rückruf der Hoffnungsträger Renault 5 und Renault 4. Betroffen sind Fahrzeuge aus dem Produktionszeitraum Dezember 2025 bis Januar 2026.

Grund für die Maßnahme ist ein potenzielles Überhitzungsrisiko der Batterien. Bisher sind keine Brände oder Schäden bekannt, dennoch müssen die betroffenen Komponenten in den Werkstätten überprüft und ausgetauscht werden. Solche Rückrufe bei zentralen Elektromodellen treffen das Unternehmen in einer sensiblen Phase des Markthochlaufs.

Kurs notiert nahe Jahrestief

Die strategische Neuausrichtung findet vor dem Hintergrund eines volatilen Marktes statt, der durch schwächelnde Nachfrage nach Elektroautos geprägt ist. Der Kurs der Renault-Aktie spiegelt diese Unsicherheit wider und liegt mit 28,17 Euro nur noch knapp über dem 52-Wochen-Tief von 27,51 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus bereits auf 22,46 Prozent.

In den kommenden Monaten liegt das Augenmerk auf der Umsetzung der Modelloffensive, die insgesamt 22 neue Fahrzeuge umfasst. Entscheidend für eine nachhaltige Erholung wird sein, ob die technologischen Fortschritte des Amorfo-Antriebs zeitnah in marktreife Produkte fließen und die Skalierung der 16 geplanten reinen Elektromodelle ohne weitere Qualitätsmängel gelingt.