Anhaltender Inflationsdruck, teures Öl und eine Flut staatlicher Emissionen treiben die Renditen weltweit auf Niveaus, die Anleger seit Jahrzehnten nicht gesehen haben. Während die Kurse von Schuldtiteln ein ernüchterndes Quartal abschließen, halten sich die Aktienmärkte bemerkenswert stabil. Dahinter steht vor allem das ungebrochene Vertrauen in Investitionen rund um Künstliche Intelligenz.
Steigende Finanzierungskosten rund um den Globus
Die zehnjährige US-Staatsanleihe gibt den Takt an. Ihre Rendite stieg im dritten Quartal um 81 Basispunkte und verharrt nahe ihrem Höchststand seit 2007. Der Anstieg markiert das stärkste Plus innerhalb eines Vierteljahres seit 2022.
Auch außerhalb der Vereinigten Staaten zieht das Zinsniveau an. In Deutschland und Frankreich erreichten die Renditen zehnjähriger Staatspapiere in dieser Woche Höchststände, wie sie seit 17 beziehungsweise 18 Jahren nicht mehr verzeichnet wurden. In Japan kletterte der entsprechende Satz im Quartal um 42 Basispunkte.
Getrieben wird diese Bewegung von hartnäckigen Teuerungsrisiken. Der Konflikt im Nahen Osten hält die Energiekosten hoch, Rohöl der Sorte Brent notiert bei 103,16 Dollar je Barrel. Parallel dazu wächst bei vielen Investoren die Sorge angesichts der weltweiten Staatsverschuldung, was die Risikoaufschläge für langlaufende Anleihen nach oben treibt.
Aktienmärkte koppeln sich vorerst ab
An den Aktienbörsen bleibt die Reaktion bislang verhalten. Höhere risikofreie Zinsen verteuern zwar Refinanzierungen, aber das nominale Wirtschaftswachstum und solide Unternehmensgewinne federn den Druck ab. Marktbeobachter sehen Belastungen vor allem außerhalb der großen Technologiekonzerne, deren hohe Investitionen in Rechenzentren und Infrastruktur weiterhin Fantasie wecken.
Etwas Druck vom kurzen Ende der Zinskurve nahm der New Yorker Fed-Präsident John Williams. Seine Äußerung, es gebe keine Eile für rasche Zinsschritte und ein einziger weiterer Zinsschritt reiche in diesem Jahr aus, beruhigte das Parkett. Die an den Terminmärkten gehandelte Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Federal Reserve im Oktober sank prompt von 74,6 Prozent auf 49,4 Prozent.
Konkrete Hinweise auf den weiteren Kurs der US-Geldpolitik liefern die anstehenden Preisdaten sowie der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag. Fallen diese Daten überraschend stark aus, dürften die Zinssorgen an den Anleihemärkten unmittelbar zurückkehren.


