Renditen für Staatsanleihen steigen weltweit auf Mehrjahreshochs

Höhere Energiepreise und Haushaltsdefizite treiben die Renditen in Großbritannien, Frankreich und den USA auf langjährige Spitzenwerte.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • Britische 30-Jahres-Rendite bei 6,036 Prozent
  • Französische Zehnjahresrendite erreicht 4,91 Prozent
  • US-Langläufer auf Niveau von 2002
  • Lescure erwägt kürzere französische Laufzeiten

An den internationalen Finanzmärkten greift eine spürbare Skepsis gegenüber langfristigen Staatsschulden um sich. Steigende Energiepreise und wachsende Haushaltsdefizite lösen am Mittwoch einen breiten Ausverkauf bei Staatsanleihen aus. Die Renditen langlaufender Papiere klettern dadurch in Großbritannien, Kontinentaleuropa und den Vereinigten Staaten auf Höchststände, die seit vielen Jahren nicht mehr erreicht wurden.

Rekordstände bei britischen Staatsanleihen

Besonders heftig trifft die Verkaufswelle den britischen Markt. Die Rendite für 30-jährige Gilts springt im Tagesverlauf um 13 Basispunkte auf 6,036 Prozent. Das markiert den höchsten Wert seit Januar 1998. Zehnjährige Papiere rentieren derweil bei 5,48 Prozent und bewegen sich damit nur knapp unter ihrem Spitzenwert aus dem Jahr 2007.

Treibstoff für den Renditesprung liefern anziehende Inflationsängste. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent steigt getrieben von kriegerischen Konflikten wieder über die Marke von 100 Dollar je Barrel. Höhere Energiekosten drohen die Teuerung erneut anzuheizen und schränken den Spielraum für baldige Zinssenkungen empfindlich ein.

Erhöhte Nervosität herrscht vor allem mit Blick auf die britische Haushaltspolitik. Finanzminister John Healey stellt am 28. Oktober seinen ersten Haushaltsplan vor. Ökonomen der Bank of America rechnen für das laufende sowie das übernächste Finanzjahr mit einer Ausweitung der staatlichen Kreditaufnahme um 15 Milliarden Pfund.

Frankreich plant Schwenk zu kürzeren Laufzeiten

Parallel dazu geraten die Staatsfinanzen in Paris unter Zugzwang. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen klettert auf 4,91 Prozent und erreicht damit den höchsten Stand seit 2002. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen weitet sich auf das Niveau der Euro-Schuldenkrise von 2011 aus.

Investoren fordern spürbar höhere Prämien für das Halten langfristiger französischer Schuldtitel. Finanzminister Roland Lescure erwägt deshalb, künftig verstärkt auf kürzere Laufzeiten auszuweichen. Während Emissionen mit zehnjähriger Laufzeit zuletzt noch Abnehmer fanden, gestaltet sich der Verkauf von 30-jährigen Papieren zunehmend schwierig.

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks zieht das Zinsniveau an. US-Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit erreichen Niveaus, die zuletzt im Jahr 2002 verzeichnet wurden. Für Regierungen verteuert sich die Refinanzierung ihrer Schuldenberge damit über fast alle großen Währungsräume hinweg drastisch. Bis zur Vorlage des britischen Haushalts am 28. Oktober dürfte der Druck auf die Renditen langlaufender Schuldtitel anhalten.

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Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.