Das US-Biotechunternehmen Revolution Medicines stellt nach einem wichtigen regulatorischen Meilenstein die Weichen für die eigenständige Vermarktung seines Krebstherapeutikums Rasonque in Übersee.
Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur gab heute eine positive Zulassungsempfehlung für den RAS-Inhibitor Daraxonrasib zur Behandlung von Erwachsenen mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs ab, deren Erkrankung nach mindestens einer Vortherapie fortgeschritten ist. Die abschließende Entscheidung der Europäischen Kommission über die Marktzulassung steht noch aus.
Die Nachricht trifft an der Börse auf ein bereits stark gelaufenes Papier. Im heutigen Handel gibt die Aktie um 5,7 Prozent auf 159,20 Euro nach, behauptet seit Jahresbeginn jedoch ein deutliches Plus von 131 Prozent.
Hohe Umsatzerwartungen für Rasonque
Nachdem die US-Zulassungsbehörde FDA den Wirkstoff bereits im August 2026 freigegeben hatte, rückt nun der zweitwichtigste Pharmamarkt in den Fokus. Analysten trauen dem Präparat weltweite Spitzenjahresumsätze von bis zu 11,5 Milliarden US-Dollar zu. Revolution Medicines beabsichtigt, den europäischen Markt ohne großen Vertriebspartner zu erschließen und baut dafür derzeit eigene Strukturen auf.
Rückendeckung für diesen Schritt liefert eine bestehende Vereinbarung mit Royalty Pharma, die dem Unternehmen bis zu zwei Milliarden US-Dollar für Entwicklung und Markteinführung zur Verfügung stellt. Allein im letzten Monat wurden in Großbritannien und Kontinentaleuropa mindestens 50 Stellen für den bevorstehenden Marktstart ausgeschrieben.
Nach Einschätzung von Stifel-Analystin Laura Prendergast könnte der Spitzenumsatz außerhalb der Vereinigten Staaten, gestützt vor allem auf Europa und Japan, ein Niveau von 3,2 bis 3,3 Milliarden US-Dollar erreichen.
Überlebenszeit in Zulassungsstudie verdoppelt
Fachlich stützt sich die Empfehlung der europäischen Prüfer auf die Daten der Phase-3-Studie RASolute 302 mit 500 Probanden. Darin zeigte sich gegenüber einer standardmäßigen Chemotherapie ein signifikanter klinischer Vorteil: Das mediane Gesamtüberleben verlängerte sich von 6,7 Monaten im Kontrollarm auf 12,4 Monate unter der oralen Daraxonrasib-Gabe. Gleichzeitig verdoppelte sich das mediane progressionsfreie Überleben von 3,6 auf 7,2 Monate.
Für onkologische Behandlungen in diesem weit fortgeschrittenen Stadium sind diese Zuwächse bemerkenswert, da metastasierter Bauchspeicheldrüsenkrebs als schwer behandelbar gilt und bislang kaum zielgerichtete Optionen bot.
Zwar traten unter der Therapie Nebenwirkungen wie Durchfall, Hautausschläge und Mundschleimhautentzündungen auf, die Quote der therapiebedingten Behandlungsabbrüche lag mit 1,2 Prozent jedoch deutlich unter den 11,2 Prozent des Chemotherapie-Arms.
Analysten sehen weiteres Kurspotenzial
Auch das Analysehaus William Blair zeigte sich von der Perspektive überzeugt und nahm die Beobachtung von Revolution Medicines heute mit der Einstufung „Outperform“ auf. Als Kursziel veranschlagen die Experten 226 US-Dollar je Anteilsschein.
Sollte die Europäische Kommission der Empfehlung des Ausschusses in den kommenden Monaten folgen, hängt der kommerzielle Erfolg vor allem von den anstehenden nationalen Preis- und Erstattungsverhandlungen in den einzelnen europäischen Mitgliedstaaten ab.
In den USA liegt der Großhandelsabgabepreis für eine 30-Tage-Packung bei 39.800 US-Dollar, woraus sich für Europa jedoch keine direkten Rückschlüsse auf das Erstattungsniveau ziehen lassen. Parallel treibt das Unternehmen weitere klinische Studien voran, um den Einsatz des RAS-Hemmers auch in früheren Therapielinien und bei weiteren Krebsarten wie dem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom zu prüfen.
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