Rheinmetall bleibt trotz starker Geschäftszahlen unter Druck an der Börse. Die Aktie fiel am Mittwoch um 2,8 Prozent, nachdem sie am Vortag noch mit einem Plus von mehr als 3 Prozent von ihrem tiefsten Stand seit Juli erholt hatte.
Ein konkreter Auslöser für den erneuten Rückgang ist nicht erkennbar – die Kursbewegung fällt in eine Phase, in der operative Erfolge und Wachstumszahlen den Anlegern offenbar nicht genügen, um Vertrauen zurückzugewinnen.
Dabei liefert der Düsseldorfer Rüstungskonzern operativ weiter Rekordwerte. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro zu, die operative Marge erreichte 17,1 Prozent.
Rheinmetall bezeichnete das Quartal als das beste in der 137-jährigen Unternehmensgeschichte. Die Aktie reagierte darauf paradox: Am Tag der Zahlen brach der Kurs zeitweise um 8,5 Prozent ein.
Guidance gesenkt, Auftragsbestand auf Rekordniveau
Trotz der starken Quartalszahlen musste Rheinmetall die Umsatzplanung für 2026 nach unten anpassen. Nach der Stornierung des Fregattenprojekts F126 rechnet der Konzern nun mit einem Jahresumsatz von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro sowie einer operativen Marge von rund 19 Prozent – die Planung liegt damit rund 300 Millionen Euro unter der vorherigen Prognose.
Gleichzeitig wuchs der Auftragsbestand auf 80,467 Milliarden Euro, ein Wert, der die langfristige Auslastung des Konzerns unterstreicht und im Kontrast zur kurzfristigen Kursschwäche steht.
Operativ liefert Rheinmetall weiter neue Aufträge ab. Im August erhielt der Konzern von der Bundeswehr einen Zuschlag für 149 weitere mobile Rettungsstationen mit einem Volumen von über 500 Millionen Euro – der Gesamtauftrag in diesem Bereich summiert sich damit auf mehr als 600 Millionen Euro.
Anfang September folgte ein Auftrag der US-Navy an die kanadische Tochter Rheinmetall Canada über Ersatzkomponenten für mobile Startgeräte des Typs MSU-200NAV im einstelligen Millionenbereich, mit Auslieferung bis Ende 2028.
Arminius als nächster Kurstreiber
Im Fokus der Anleger steht nun das Projekt Arminius, die Beschaffung von Boxer-Radfahrzeugen für die Bundeswehr. Die finalen Verhandlungen sind für die zweite Septemberwoche angesetzt, die parlamentarische Behandlung soll am 9. Dezember folgen.
Medienberichten zufolge geht es um einen Fixvertrag über rund 12,4 Milliarden Euro für die Fahrzeuge mit Lieferung bis 2029, ergänzt durch einen Servicevertrag über 4 Milliarden Euro, von dem 2 Milliarden Euro auf Rheinmetall entfallen. In Summe stehen damit rund 14,4 bis 14,5 Milliarden Euro als weitgehend gesichert im Raum.
Für die Aktie, die inzwischen mehr als 26 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 1.387,63 Euro notiert, wäre ein positiver Abschluss der Arminius-Verhandlungen ein möglicher Impulsgeber. Bislang jedoch dominiert an der Börse die Skepsis gegenüber der Bewertung des Rüstungssektors – operative Bestwerte und ein voller Orderbestand reichen derzeit nicht aus, um die Abwärtsbewegung zu drehen.
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