Rheinmetall baut sein Geschäft mit Bundeswehr-Infrastruktur im Baltikum aus. Am Dienstag wurde bekannt, dass der Konzern für 250 Millionen Euro ein modulares Camp in Litauen errichtet und betreibt – ein Auftrag, der zeigt, wie breit sich das Düsseldorfer Unternehmen inzwischen aufstellt.

Generalunternehmer für 2.000 Soldaten

Der Auftrag mit der Bezeichnung G-CAP II SU sieht den Aufbau eines Camps für bis zu 2.000 Soldaten vor. Die Betriebsaufnahme ist ab Mitte August 2027 geplant. Rheinmetall übernimmt dabei nicht nur den Bau, sondern als Generalunternehmer auch Facility Management, Verpflegung und Wäscherei – mit laufenden Betriebskosten von 40 Millionen Euro pro Jahr. Der Auftrag wurde im dritten Quartal 2026 eingebucht.

Das Geschäft reiht sich in eine Serie von Meldungen der vergangenen Wochen ein, die Rheinmetall zunehmend als Vollausstatter für die Bundeswehr und ihre Partner positionieren.

Erst am Donnerstag hatte der Konzern eine Absichtserklärung mit dem Land Hessen unterzeichnet, um mehr als 260 Millionen Euro in einen „Defence Hub Nordhessen“ mit Schwerpunkt Boxer-Produktion zu investieren. Die Aktie reagierte darauf gestern mit einem Plus von 2,7 Prozent auf einen Schlusskurs von 1.175,40 Euro.

Auftragsbuch wächst, Guidance bleibt vorsichtig

Der Litauen-Auftrag fügt sich in ein Bild, das die Zahlen zum zweiten Quartal bereits gezeichnet hatten: Der Auftragsbestand kletterte auf ein Rekordniveau von 80,5 Milliarden Euro, während der Umsatz um 69 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegte.

Gleichzeitig hatte der Konzern seine Jahresprognose für den Umsatz nach der Stornierung des F126-Fregattenprogramms durch die Bundesregierung leicht gesenkt. Das Marinegeschäft ging stattdessen an ThyssenKrupp Marine Systems.

Diese Gemengelage – wachsender Auftragsberg einerseits, punktuelle Rückschläge andererseits – erklärt auch, warum die Aktie seit Jahresbeginn noch immer 24 Prozent im Minus notiert und rund 41 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro vom 3. Oktober liegt.

Zugleich hat sich der Kurs von seinem 52-Wochen-Tief bei 902,50 Euro deutlich erholt und notiert derzeit rund 7,5 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt.

Blick nach vorn: Boxer, Lockheed und Leonardo

Neben dem Litauen-Geschäft laufen mehrere strategische Fäden parallel. Firmenchef Papperger hatte Anfang August erklärt, einer millionenschweren Vertragsunterzeichnung für einen Boxer-Großauftrag der Bundeswehr stehe „absolut nichts im Weg“ – der Abschluss werde bis Jahresende erwartet.

Der Bundestag soll darüber im Dezember final entscheiden. Parallel verhandelt Rheinmetall mit Lockheed Martin über eine gemeinsame ATACMS-Produktion in Unterlüß und mit Leonardo über eine mögliche Übernahme der Militärfahrzeugsparte Iveco, deren Fortgang derzeit vom neuen Leonardo-Chef Lorenzo Mariani abhängt.

Für Anleger bleibt der Litauen-Auftrag damit ein weiterer, vergleichsweise kleiner Baustein in einem Geschäftsmodell, das sich zunehmend vom reinen Rüstungsproduzenten zum Betreiber militärischer Infrastruktur wandelt. Ob sich diese Diversifizierung im Kurs stärker niederschlägt, dürfte auch von der Vertragsunterzeichnung zum Boxer-Auftrag und der Bundestagsentscheidung im Dezember abhängen.