Rheinmetall baut die Raketenproduktion nach Europa. Gemeinsam mit dem US-Konzern Lockheed Martin plant der Düsseldorfer Rüstungskonzern ein Kompetenzzentrum für ATACMS-Raketen in Niedersachsen. Die Aktie reagiert darauf verhalten: Am Dienstag notiert das Papier bei 1.120,00 Euro, ein Minus von 1,67 Prozent gegenüber dem Vortag.
Unterlüß wird zum Raketen-Standort
Am Rande des NATO-Gipfel-Verteidigungsindustrieforums unterzeichneten beide Unternehmen eine Absichtserklärung. Sie soll den Weg zu einem gemeinsamen Joint Venture ebnen. Ziel ist ein europäisches Zentrum für Fertigung, Integration und Distribution von ATACMS-Raketen.
Als Standort wählten die Partner Unterlüß in Niedersachsen. Dort produziert Rheinmetall bereits umfangreich Waffen und Munition. Die Fertigung von Raketenmotoren und Lenkflugkörper-Komponenten soll frühestens 2027 starten. Deutschland würde damit zum ersten Produktionsstandort für ATACMS außerhalb der USA.
Rheinmetall-Chef Armin Papperger begründet den Schritt mit der Verteidigungsfähigkeit Europas. „Gemeinsam mit unseren Freunden von Lockheed Martin bauen wir nun die industrielle Basis in Deutschland für moderne Verteidigungssysteme auf, die bei den europäischen Streitkräften stark gefragt sind“, so Papperger.
Die Partnerschaft wächst seit 2024
Neu ist die Kooperation nicht. Beide Firmen unterzeichneten bereits 2024 eine erste Vereinbarung zu Raketen. Im April 2025 erweiterten sie diese zu einem „Center of Competence“ für Raketen und Lenkwaffen. Im August folgten konkrete Gespräche über ATACMS und Hellfire für Unterlüß.
Der Standort hat Tradition: Vor über 125 Jahren ging er in Betrieb. Heute arbeiten dort rund 4.000 Menschen. Im vergangenen Jahr startete das „Werk Niedersachsen“ für Artilleriemunition, eine Raketenmotorenfabrik steht kurz vor der Fertigstellung.
Wichtig für Anleger: Die Unterzeichnung ist eine Absichtserklärung, kein finaler Vertrag. Das Joint Venture muss erst noch formell gegründet werden. Ob daraus tatsächlich ein genehmigtes Gemeinschaftsunternehmen wird, hängt weiter von Entscheidungen der US-Regierung ab.
Engpass in den USA treibt die Initiative
Hinter der Kooperation steckt ein handfestes Kapazitätsproblem. Lockheed Martin hat die ATACMS-Produktion in Camden, Arkansas, zurückgefahren. Der Konzern setzt stattdessen auf die neuere Precision Strike Missile, die ATACMS im US-Arsenal langfristig ersetzen soll.
Die Nachfrage aus Europa und der Ukraine bleibt trotzdem hoch. Fachleute schätzen den jährlichen Bedarf auf 600 bis 800 Raketen. Lockheed Martin kann seine Kapazität aber nicht über 500 Stück pro Jahr steigern. Genau diese Lücke soll der neue Standort in Deutschland schließen.
Kurs bleibt unter Druck
Die strategische Bedeutung der Nachricht spiegelt sich im Aktienkurs bislang nicht wider. Auf Wochensicht steht zwar ein Plus von 11,78 Prozent zu Buche. Auf Monatssicht fällt die Bilanz mit minus 6,85 Prozent aber negativ aus.
Seit Jahresbeginn verliert die Aktie 30,07 Prozent, binnen zwölf Monaten sogar 37,48 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.995,00 Euro aus dem September 2025 trennen den Titel derzeit 43,86 Prozent. Zum erst kürzlich erreichten Jahrestief bei 902,50 Euro beträgt der Abstand 24,10 Prozent.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.188,36 Euro. Die Aktie notiert damit 5,75 Prozent darunter. Die 30-Tage-Volatilität von 70,27 Prozent zeigt: Ruhe kehrt in das Papier vorerst nicht ein.
Der nächste konkrete Meilenstein bleibt die formelle Gründung des Joint Ventures. Erst danach kann der eigentliche Bau in Unterlüß beginnen, mit Produktionsstart frühestens 2027.
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