Beim Besuch von Merz in Kiew am gestrigen Sonntag standen neue Rüstungsabsprachen im Mittelpunkt der Gespräche. Während Vereinbarungen mit Diehl, Hensoldt und Quantum Systems bekannt wurden, fehlte der Name Rheinmetall bei den bilateralen Verträgen. Die ukrainische Führung bezifferte das Gesamtvolumen auf über 8,5 Milliarden Euro. Aus Regierungskreisen verlautete ein Umfang von rund 6,5 Milliarden Euro.

Am Aktienmarkt reagierten Investoren dennoch gelassen auf die Kiewer Beschlüsse. Die Aktie von Rheinmetall legte am heutigen Montag um 0,9 Prozent auf 968,40 Euro zu. Das Papier notiert damit 7,3 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief.

Das Ausbleiben neuer Kiew-Aufträge bremst die Düsseldorfer kaum aus. Das Unternehmen profitiert unverändert von einer Sonderkonjunktur und arbeitet an der Auslastungsgrenze. Um die anhaltende Nachfrage der NATO-Partner nach schwerem Wehrmaterial dauerhaft zu bedienen, investiert der Konzern massiv in die Erweiterung bestehender Produktionslinien.

Ausbau der Munitionsfertigung und Umbau in Neuss

Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der Steigerung der Munitionskapazitäten. Für den Werksausbau im niedersächsischen Unterlüß sowie neue Fertigungslinien in Westdeutschland sind Investitionen von mehr als 300 Millionen Euro vorgesehen. Damit soll die Produktionskapazität auf bis zu 700.000 Artilleriegranaten im NATO-Kaliber 155 mm pro Jahr steigen.

Parallel dazu trennt sich Rheinmetall schrittweise vom zivilen Geschäft. Der Verkauf der Pierburg-Sparte an Aequita für 350 Millionen Euro soll im vierten Quartal abgeschlossen werden. Auf dem Areal im Neusser Hafen entsteht stattdessen ein neues Technologie- und Forschungszentrum für 250 Millionen Euro.

In Neuss will der Konzern künftig auf Verteidigungsgüter wie Flugabwehrtürme, Satellitentechnik und Steuerungsteile für Drohnen setzen. Die Neuausrichtung schärft das Profil als reiner Rüstungskonzern. Zudem verringert der Rückzug aus der klassischen Zulieferung die Anfälligkeit gegenüber den strukturellen Problemen der europäischen Automobilindustrie.

Hoher Auftragsbestand und anstehende Quartalszahlen

Die finanzielle Basis des Rüstungsunternehmens bleibt robust. Im ersten Halbjahr stieg der Konzernumsatz um 39 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig schwoll der Auftragsbestand auf den Rekordwert von 80,5 Milliarden Euro an.

Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand einen Umsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von rund 19 Prozent an. CEO Armin Papperger kaufte vor gut einer Woche eigene Aktien, seither legte der Kurs um 0,6 Prozent zu.

Detaillierte Einblicke in die operative Entwicklung erwarten die Anleger am 5. November. An diesem Tag legt Rheinmetall den vollständigen Bericht für das dritte Quartal vor.