Rheinmetall gerät ins Visier chinesischer Handelspolitik. Das chinesische Handelsministerium hat den Düsseldorfer Rüstungs- und Autozulieferkonzern gemeinsam mit 13 weiteren EU-Unternehmen auf eine Exportkontrollliste gesetzt. Die Maßnahme trat am Freitag sofort in Kraft und betrifft den Export von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck, sogenannten Dual-Use-Produkten, nach Rheinmetall. Ausnahmen sind nur mit gesonderter Genehmigung des Handelsministeriums möglich.

Peking reagiert damit auf das 21. Sanktionspaket der EU gegen Russland, das zuletzt auch chinesische Firmen ins Visier nahm. Neben Rheinmetall stehen unter anderem die deutschen Unternehmen Antraco Chemie aus Duisburg und Sindlhauser Materials aus Kempten sowie der italienische Zulieferer Lafert und der polnische Sensorspezialist Vigo Photonics auf der Liste. Vigo Photonics erklärte, die Auswirkungen seien begrenzt, da entsprechende Vorprodukte überwiegend aus Japan und Europa bezogen würden. Zu den möglichen Folgen für Rheinmetall äußerten sich die Chinesen nicht näher.

Papperger rechnet mit Merkel ab

Parallel zur Sanktionsmeldung sorgte Rheinmetall-Chef Armin Papperger mit deutlichen Worten für Aufsehen. Auf dem Welt-Sicherheitsgipfel Anfang Juli warf er Altkanzlerin Angela Merkel vor, die deutsche Rüstungsindustrie jahrelang bewusst an den Rand gedrängt zu haben. Merkel habe gesagt, man brauche die Branche eigentlich nicht – im Ernstfall rufe man die Amerikaner an, zitierte ihn die Weltwoche. Erst mit der von Olaf Scholz ausgerufenen „Zeitenwende“ habe sich die politische Haltung geändert.

Papperger untermauerte seine Kritik mit einem konkreten Beispiel: Rheinmetall habe ein Artilleriewerk für 500 Millionen Euro errichtet, aus Deutschland sei zunächst aber nur ein Auftrag über 200.000 Schuss Munition gekommen. Inzwischen hat der Konzern seine Kapazität bei Artilleriemunition von 70.000 auf eine Million Schuss pro Jahr gesteigert und damit die USA bei konventioneller Munition überholt, wie Papperger betonte. Der Manager fordert von der Politik nun mehr Tempo und verlässlichere Planungssicherheit für weitere Investitionen.

Kurs erholt sich trotz geopolitischer Belastung

Trotz der chinesischen Exportbeschränkung zeigte sich die Rheinmetall-Aktie am Freitag robust und schloss bei 1.032,60 Euro, ein Plus von 1,29 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen legte das Papier sogar um 9,13 Prozent zu – ein Zeichen dafür, dass Anleger die China-Sanktionen bislang nicht als fundamentale Bedrohung einstufen. Das operative Geschäft von Rheinmetall hängt in erster Linie an europäischen und amerikanischen Rüstungsaufträgen, nicht an chinesischen Lieferketten für Dual-Use-Güter.

Der langfristige Chart zeichnet dennoch ein differenziertes Bild. Vom 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro, erreicht am 3. Oktober vergangenen Jahres, notiert die Aktie noch immer 48,55 Prozent entfernt. Die kräftige Erholung der vergangenen Wochen kompensiert damit erst einen Teil des massiven Kursrückgangs, den das Papier seit dem Herbsthoch verzeichnet hat.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite belasten geopolitische Nebenwirkungen wie die chinesischen Exportkontrollen die Stimmung, auf der anderen Seite untermauert der Ausbau der Munitionsproduktion die strukturelle Wachstumsstory des Konzerns. Die Debatte um verlässliche staatliche Aufträge, wie sie Papperger anstößt, dürfte angesichts der anhaltenden Sicherheitslage in Europa weiter an Bedeutung gewinnen.