Rheinmetall hat den symbolischen Startschuss für eines seiner größten Rüstungsprojekte gegeben: Am Standort Aschau am Inn erfolgte gestern die Grundsteinlegung für eine neue Pulverfabrik. Das Projekt trägt den Namen „Firepower“ und soll künftig nationale Kapazitäten für mehr als eine Million Treibladungsmodule pro Jahr schaffen. Damit reagiert der Konzern auf den anhaltend hohen Bedarf europäischer Streitkräfte an Munition.

Die Aktie reagierte positiv auf das Umfeld aus Aufträgen und Ausbauplänen: Am heutigen Freitag steigt das Papier um 1,12 Prozent auf 1.033,40 Euro. Auf Wochensicht summiert sich das Plus auf 5,42 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, das Anfang Oktober markiert wurde, bleibt der Titel dennoch 48,51 Prozent entfernt – ein Beleg dafür, wie stark die Bewertung seit dem Herbst zurückgekommen ist.

F126-Aus drückt auf die Stimmung

Der Kursrückgang der vergangenen Monate hat einen konkreten Auslöser: Ende Juni gab die Bundesregierung den Abbruch des Fregattenprogramms F126 der Niedersachsen-Klasse bekannt. Rheinmetall verlor damit ein Projekt, das in der Marine-Sparte als besonders bedeutsam galt. Anfang Juli veröffentlichte der Konzern eine Ad-hoc-Mitteilung, um die finanziellen Auswirkungen der Stornierung einzuordnen.

Die Folgen zeigten sich prompt in den Analystenhäusern. Bank of America senkte am 18. Juli ihr Kursziel für die Aktie von 1.770 auf 1.300 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“ – begründet mit konservativeren langfristigen Munitionsprognosen. Bereits am 10. Juli hatte Jefferies das Kursziel von 1.890 auf 1.300 Euro reduziert, ebenfalls infolge angepasster Umsatzerwartungen nach dem Wegfall des F126-Projekts. Beide Häuser signalisieren damit trotz der Zielsenkungen weiterhin grundsätzliches Vertrauen in das Geschäftsmodell.

Auftragsbücher füllen sich weiter

Parallel zum Rückschlag bei der Marine baut Rheinmetall seine Position in anderen Sparten aus. Ein britisch geführtes Konsortium namens „Omnia Training“, an dem Rheinmetall neben Raytheon UK beteiligt ist, erhielt Mitte Juli den Zuschlag zur Digitalisierung der Ausbildung der britischen Armee. Auf Rheinmetall entfällt dabei ein Anteil von knapp einer Milliarde Euro bei einer Laufzeit von 15 Jahren.

Auch im Rüstungsbereich kamen neue Kooperationen hinzu: Mit Lockheed Martin unterzeichnete der Konzern eine Absichtserklärung zur europäischen Co-Produktion des Raketensystems ATACMS am Standort Deutschland. Mit Space Norway vereinbarte Rheinmetall eine Zusammenarbeit bei der maritimen Weltraumüberwachung in der Arktis mittels X-Band-Radardaten. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr beauftragte zudem die Arbeitsgemeinschaft aus MBDA Deutschland und Rheinmetall Waffe Munition mit einem Laserwaffensystem für die Marine. Aus Kuwait kam Anfang Juli ein Erstauftrag für das Schiffsschutzsystem MASS für acht Schiffe, wenngleich im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Insider kaufen nahe der Tiefstände

Bemerkenswert ist das Verhalten von Konzerninsidern in der schwächeren Kursphase: Ende Juni erwarb Vorstandsvorsitzender Armin Papperger über die ATP Holding GmbH 3.188 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 954,62 Euro. Am selben Tag kaufte Aufsichtsrat Andreas Arthur Georgi über seine Vermögensverwaltungsgesellschaft Papiere zum Kurs von 953,30 Euro an der Börse Xetra. Beide Käufe fielen in eine Phase, in der die Aktie nahe ihrem 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro notierte, das erst Ende Juni erreicht wurde.

Gegenläufig bewegte sich der US-Investor FMR LLC: Er meldete im Mai eine Reduzierung seiner Beteiligung an Rheinmetall auf 2,88 Prozent. Die Grundsteinlegung in Aschau am Inn dürfte nun als Signal dienen, dass der Konzern trotz des Rückschlags bei der Marine an seiner Ausbaustrategie in der Munitionssparte festhält – einem Bereich, der nach den jüngsten Prognoseanpassungen der Analysten weiterhin als zentraler Wachstumstreiber gilt.