Rheinmetall sammelt derzeit Aufträge in großer Zahl – und trotzdem gerät die Aktie weiter unter Druck. Der Kurs des Düsseldorfer Rüstungskonzerns notiert bei 1.006,80 Euro und büßte damit auf Wochensicht 6,0 Prozent ein. Die operative Nachrichtenlage und die Kursentwicklung laufen derzeit auseinander.

Aufträge aus USA, Norwegen und Polen

Am Freitag vergangener Woche meldete Rheinmetall einen Vertrag zur Lieferung von Ersatzteilen an die U.S. Navy – eine Nachricht, die zuletzt als klar kursrelevanter Einzeltrigger galt. Bereits zuvor hatte eine Rheinmetall-Einheit einen Auftrag für bearbeitete Komponenten von Kongsberg Defence & Aerospace gewonnen, ergänzt um einen weiteren US-Auftrag über 710.000 US-Dollar.

Auch im Fahrzeuggeschäft tut sich etwas: American Rheinmetall lieferte das erste Prototypfahrzeug des Lynx XM30 an die U.S. Army aus. Weitere Prototypen sollen folgen. Reuters berichtete, dass Rheinmetall mit diesem Fahrzeug im US-Markt um ein milliardenschweres Programm für den Nachfolger des Bradley-Schützenpanzers konkurriert.

Parallel dazu bündelt der Konzern seine europäischen Aktivitäten. MAN Truck & Bus, Rheinmetall und die polnische WB Group gaben am Dienstag eine strategische Partnerschaft im Verteidigungsmarkt bekannt. Die Allianz soll die Fahrzeug- und Systemkompetenz der drei Unternehmen zusammenführen und die Position im europäischen Rüstungsgeschäft stärken.

Milliardeninvestition in Kassel-Calden

Zugleich investiert Rheinmetall kräftig in die eigene Infrastruktur. Rund 270 Millionen Euro sollen in einen neuen Logistik- und Technologie-Hub in Kassel-Calden fließen, der bis Ende 2027 in Betrieb gehen soll.

Vorstandschef Armin Papperger rechnet zudem laut einem Medienbericht aus dem Arminius-Beschaffungsprogramm der Bundesregierung mit Fahrzeuggeschäften im Umfang von rund 12,4 Milliarden Euro bis Ende 2026 – ein Volumen, das die Wachstumsdynamik im deutschen Verteidigungsgeschäft unterstreicht.

Kurs bleibt trotz Auftragsflut unter Druck

Trotz dieser Nachrichtenfülle setzte sich der Abwärtstrend bei der Aktie fort. Medienberichten zufolge geriet das Papier erneut unter Druck, nachdem zuvor mehrere Unternehmensmeldungen veröffentlicht worden waren – die Schwäche wird auf eine fortgesetzte Verkaufswelle im gesamten Rüstungssektor zurückgeführt. Zum Vergleich: Vom 52-Wochen-Hoch bei 2.007,00 Euro, erreicht Anfang Oktober vergangenen Jahres, ist die Aktie inzwischen um die Hälfte entfernt.

Auf der Analystenseite bestätigte Deutsche Bank Research Anfang September ihre Einstufung „Buy“ mit Kursziel 1.800 Euro. Eine skeptischere Note setzte mwb Research, das die Aktie kürzlich auf „Hold“ hochstufte – ein Schritt, der die zurückhaltendere Stimmung gegenüber dem Sektor widerspiegelt, während operativ weiter Auftrag um Auftrag eingesammelt wird.