Verwirrung um das europäische Rüstungsgroßprojekt MGCS sorgt für neue Diskussionen rund um Rheinmetall. Das Vorhaben zur Entwicklung eines gemeinsamen Gefechtssystems, das ab etwa 2040 die Panzer vom Typ Leclerc und Leopard 2 ablösen soll, wird von anhaltenden Abstimmungsproblemen zwischen Berlin und Paris begleitet.

Frankreichs Generalstabschef Fabien Mandon hatte öffentlich erklärt, Deutschland wolle aus dem Projekt aussteigen. Dem traten die französische Verteidigungsministerin Catherine Vautrin und Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius jedoch entgegen und betonten, dass das Programm wie geplant fortgeführt werde.

Rheinmetall war 2019 in das 2018 gestartete Vorhaben eingestiegen. Seit längerer Zeit belasten allerdings Differenzen über die konkreten militärischen Anforderungen, den zeitlichen Ablauf sowie die genaue Aufteilung der industriellen Arbeitspakete die binationale Kooperation.

Führungswechsel in der Schweizer Luftverteidigungssparte

Parallel zu den politischen Diskussionen um das Landsystem-Projekt vollzieht sich ein Personalwechsel an der Spitze eines wichtigen Tochterunternehmens. Oliver Dürr, Leiter der Rheinmetall Air Defence AG in Zürich, kündigte nach fünf Jahren an der Spitze seinen Rücktritt an. Als Grund für diesen Schritt nannte der 55-Jährige persönliche Erschöpfung infolge hoher Arbeitsbelastung.

Unter Dürrs Leitung hatten sich Umsatz und Personalbestand des Schweizer Standorts verdreifacht, angetrieben von einer spürbar gestiegenen Nachfrage nach Flugabwehrsystemen wie Skynex. Im Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung warnte Dürr zugleich vor regulatorischen Hürden.

Sollte die Ende November anstehende Abstimmung über das Schweizer Kriegsmaterialgesetz keine Lockerung bringen, drohe der dortigen Rüstungsindustrie Schaden; eine Verlagerung von Kapazitäten nach Deutschland wäre für den Konzern finanziell kaum spürbar.

Technologische Fortschritte und verhaltene Kursentwicklung

Trotz der politischen Reibungen meldet das Unternehmen operative Fortschritte in neuen Technologiebereichen. Rheinmetall Defence Australia präsentierte gemeinsam mit dem Partnerunternehmen Breaker ein Verfahren zur Steuerung von Drohnenschwärmen über Spracheingabe.

Bei einer Demonstration bediente ein Besatzungsmitglied über das Headset eines Radpanzers vom Typ Boxer CRV nach kurzer Einweisung simultan das Fahrzeug und den Schwarm. Rheinmetall liefert für das australische Programm LAND 400 Phase 2 insgesamt 211 Boxer-Fahrzeuge mit einer geplanten Nutzungsdauer von rund 30 Jahren aus.

An der Börse spiegeln sich die operativen Projekte derzeit in einer abwartenden Haltung wider. Am Freitag ging die Rheinmetall-Aktie mit einem leichten Abschlag von 0,4 Prozent bei 935,30 Euro aus dem Handel. Auf Jahressicht summieren sich die Kursverluste seit Jahresanfang auf 40 Prozent. Für Anleger bleibt neben den langfristigen Programmen die praktische Umsetzung der Produktionshochläufe der zentrale Gradmesser.