Kurz vor der wichtigsten Branchenmesse des Jahres schlägt Rheinmetall-Chef Armin Papperger Alarm. Das milliardenschwere deutsch-französische Panzerprojekt MGCS steht offenbar auf der Kippe. Massive Budgetkürzungen in Paris bedrohen die gemeinsame Entwicklung. Für den Düsseldorfer Rüstungskonzern rückt damit ein Plan B in den Fokus.
Paris streicht die Mittel
Die französische Regierung plant drastische Einschnitte. Die Mittel für das MGCS sollen um mehr als die Hälfte schrumpfen. Ein Ausstieg Frankreichs aus dem 2017 gestarteten Vorhaben ist laut Papperger nicht länger ausgeschlossen.
Die bisherige Bilanz fällt ohnehin mager aus. In knapp zehn Jahren flossen lediglich 25 Millionen Euro an die vier beteiligten Unternehmen. Nationalstaatliche Eigeninteressen blockieren den Fortschritt.
Die Folge: Das europäische Rüstungsbündnis bröckelt. Das parallel gestartete Luftkampfsystem FCAS gilt bereits als gescheitert. Rheinmetall forciert daher die Entwicklung des „Leopard 3“ als Brückenlösung für die nächste Dekade.
Weltpremieren auf der Eurosatory
Parallel zu den politischen Spannungen startet am Montag die Rüstungsmesse Eurosatory in Paris. Rheinmetall will dort technologische Stärke demonstrieren. Der Konzern wandelt sich zunehmend zum Komplettanbieter für Gefechtslösungen.
Auf der Messe präsentiert das Unternehmen mehrere Neuentwicklungen:
* Ein Containerized Missile Launcher für das System FV-014.
* Die neue Aufklärungsvariante des Schützenpanzers Lynx KF41.
* Ein hochmodernes 155-mm-L60-Geschütz.
* Die Gleitbombe LongClaw sowie neue maritime Waffensysteme.
Zusätzlich baut Rheinmetall den Bereich der satellitengestützten Aufklärung aus. Kooperationen mit Firmen wie ICEYE sollen die deutschen Fähigkeiten im Weltraum stärken.
Aktie im Abwärtstrend
Die politische Unsicherheit hinterlässt Spuren am Kapitalmarkt. Die Rheinmetall-Aktie beendete den Freitagshandel mit einem Minus von 3,11 Prozent bei 1.196,60 Euro. Damit setzt sich die Schwächephase fort. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund ein Viertel seines Wertes verloren.
Der Kurs notiert aktuell weit entfernt von alten Rekorden. Vom Hoch bei 1.995 Euro trennen die Aktie mittlerweile 40 Prozent. Auch die viel beachtete 200-Tage-Linie verläuft mit 1.603,84 Euro in weiter Ferne.
Investoren blicken nun auf die Pariser Messe. Neue Aufträge für die präsentierten Waffensysteme könnten den schwächelnden Kurs stützen. Das Fundament dafür ist vorhanden: Der Auftragsbestand liegt auf dem Rekordniveau von rund 73 Milliarden Euro. Fällt das MGCS-Projekt jedoch endgültig, muss das Management die langfristigen Umsatzprognosen neu berechnen.
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