Ein historisches Angebot an Kanada, eine neue Rüstungsvereinbarung zwischen Washington und Berlin – politisch war heute viel los. Die Rheinmetall-Aktie honoriert das nur zögerlich. Zwischen leichten Gewinnen und Verlusten pendelte das Papier im Tagesverlauf, ohne klare Richtung zu finden.

Pistorius und Hegseth besiegeln Rüstungskooperation

Im Pentagon unterzeichneten Verteidigungsminister Boris Pistorius und sein US-Amtskollege Pete Hegseth eine Absichtserklärung, die die transatlantische Zusammenarbeit bei Rüstungsprojekten deutlich ausbauen soll.

Im Zentrum stehen gemeinsame Entwicklung, Produktion, Lizenzfertigung und Instandhaltung von Waffensystemen. Hegseth lobte Deutschland als Vorbild bei den Verteidigungsausgaben und forderte, die „traditionsreiche industrielle Basis“ des Landes stärker für die Nato zu nutzen.

Für Rheinmetall eröffnet das konkrete Perspektiven. Der Konzern bewirbt sich mit dem Schützenpanzer Lynx um einen Großauftrag des US-Heeres – im Rennen steht die Lieferung von mehr als 4.000 Fahrzeugen.

Parallel dazu wächst der Bedarf an Lenkflugkörpern, die in den USA knapp geworden sind, weil der Krieg gegen den Iran amerikanische Bestände belastet. Pistorius bot an, entsprechende Kapazitäten in Deutschland aufzubauen – ein Angebot, das laut seinen Worten auf „viel Gegenliebe“ stößt.

Kanada rückt näher an europäische Verteidigungsindustrie

Parallel dazu sorgte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen für Aufsehen: Sie stellte Kanada eine „assoziierte Mitgliedschaft“ in Aussicht – ein bislang unbekannter Sonderstatus.

Relevanter für Rheinmetall ist ein anderer Schritt: Kanada nimmt bereits seit Juni als erstes außereuropäisches Land am EU-Verteidigungsinstrument SAFE teil, einem 150 Milliarden Euro schweren Programm für gemeinsame Rüstungsbeschaffung, an dem Rheinmetall neben Airbus, Thales und Leonardo maßgeblich beteiligt ist. Eine engere Anbindung Kanadas würde den adressierbaren Markt für den Konzern zusätzlich vergrößern.

Der breitere Branchentrend spielt Rheinmetall ebenfalls in die Karten. Der Krieg in der Ukraine hat europäische Militärs gezwungen, über billigere Massenware statt teurer Spitzentechnologie nachzudenken.

Zahlreiche Startups drängen mit günstigeren Interceptoren auf den Markt, doch etablierte Konzerne wie Rheinmetall profitieren von bestehender Fertigungskapazität – über eine im laufenden Jahr angekündigte Kooperation mit dem Raketenhersteller Destinus ist der Konzern zudem direkt an dieser Entwicklung beteiligt.

Kurs bleibt trotz Nachrichtenflut träge

Trotz der politischen Rückenwinde bewegte sich die Aktie am Mittwoch kaum vom Fleck. Sie drehte im Tagesverlauf mehrfach zwischen leichtem Plus und Minus, belastet auch vom bevorstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank, der die Märkte insgesamt in Habachtstellung hält. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein spürbarer Rückgang zu Buche – nach einer starken Rallye in den Wochen zuvor eine erste Verschnaufpause.

Die Analystenschätzungen bleiben trotz der Konsolidierung optimistisch: Kursziele reichen aktuell bis 1.800 Euro. Ob die neue Rüstungsvereinbarung mit den USA in den kommenden Wochen zu konkreten Auftragseingängen für Rheinmetall führt, dürfte sich frühestens zeigen, wenn erste Details zur geplanten Munitions- und Lenkflugkörperproduktion in Deutschland bekannt werden.